Sehr gutes erstes Quartal
Trotz des hohen Ölpreises: Lufthansa ist top

Lufthansa ist trotz des hohen Ölpreises stark - operativ und strukturell. Die Geschäftszahlen der einst staatlichen und bis heute größten deutschen Fluggesellschaft beweisen das. Nach einem Rekordjahr 2007 fiel auch das erste Quartal viel besser aus als von Analysten erwartet.

DÜSSELDORF. Die Kombination aus stark steigenden Ölpreisen und Rezessionsängsten zieht nur die Aktie in die Tiefe. Der Titel verlor seit Januar rund zehn Prozent an Wert. "Dem Negativtrend kann sich auch Lufthansa nicht entziehen", sagt Ulrich Horstmann von der Bayern LB. Als finanzstarke und gut positionierte Fluggesellschaft werde Lufthansa von der Marktkonsolidierung aber profitieren und gestärkt in den nächsten Aufschwung starten.

Die im Vergleich zu direkten Konkurrenten traditionell solide finanzielle Struktur von Lufthansa hat sich in den vergangenen Jahren noch verbessert. Die Nettoverschuldung wurde seit 2002 massiv abgebaut - von 5,1 auf 1,9 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalquote stieg im gleichen Zeitraum von 21,8 auf 30 Prozent.

Lufthansa ist damit eine der wenigen Fluglinien weltweit, die von Rating-Agenturen mit dem besonders guten Investment Grade Rating beurteilt wird. Und auch operativ sprechen die Zahlen für den Kranichkonzern. 2007 produzierte Lufthansa einen operativen Cashflow von 2,86 Mrd. Euro - ein Plus von 36 Prozent. Die operative Marge war mit 6,9 Prozent doppelt so hoch wie die vom Weltverband IATA für die Branche durchschnittlich geschätzte von 3,4 Prozent.

Im Markt ist Lufthansa breit aufgestellt. Der Konzern erzielt deutlich mehr Umsatz in Geschäftsbereichen jenseits des Passagierverkehrs als die Konkurrenz. Der hohe Ölpreis trifft Lufthansa auch deshalb weniger stark. Cargo, Technik, Catering und IT-Services stehen für knapp 40 Prozent des Umsatzes. British Airways hängt dagegen zu 85 Prozent am Passagiergeschäft.

Einen guten Mix erreicht Lufthansa auch bei den Passagieren sowie bei den Verkehrsgebieten. Lufthansa ist aus Europa die Nummer zwei nach Nordamerika und nach Asien die Nummer eins. Mit Swiss und deren Heimathafen Zürich verfügt Lufthansa zudem über vier Drehkreuze: Frankfurt, München und Düsseldorf. "Die Diversifizierung von Lufthansa könnte sich gerade in einer Krise auszahlen", sagt Analyst Horstmann.

In der Konsolidierung kann Lufthansa folglich sowohl finanziell als auch strategisch eine aktive Rolle spielen - und zwar nicht nur in Bezug auf die mehr oder weniger zum Verkauf stehenden Alitalia, Iberia und Austrian Airlines. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat mit den 30 Prozent an der britischen BMI noch ein Ass im Ärmel, das er sowohl operativ als auch finanziell ausspielen kann. Ab Anfang 2009 hat Lufthansa eine Kaufoption für die 50 Prozent plus eine Aktie des Gründers Michael Bischop. Der dritte Anteilseigner, die skandinavische SAS, will ihren Anteil von 20 Prozent schon seit Monaten abstoßen, und ein Verkauf an den zukünftigen Mehrheitseigner Lufthansa gilt als sehr wahrscheinlich.

Lufthansa könnte BMI als Ass im Fusionspoker einsetzen. BMI ist British Airways ein Dorn im Auge, da sie zwölf Prozent der Start- und Landerechte am größten europäischen Flughafen London-Heathrow hat. Lufthansa könnte BMI durch einen Weiterverkauf aber auch einfach nur versilbern. Der Preis für die Komplettübernahme dürfte sich aufgrund geltender Verträge auf nicht mehr als 500 Mill. Euro belaufen. Allein die handelbaren Start- und Landerechte von BMI in London-Heathrow, sind aber rund das Vierfache wert.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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