Seilbahnen in Lateinamerika
Die „Himmels-Metro“ boomt

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Die Nachfrage ist weiter enorm

Boliviens Staatspräsident Evo Morales hat im September in La Paz bereits die fünfte Linie des „Teleférico“ eröffnet – Doppelmayr mit Sitz in Wolfurt/Österreich baut die Bahnen, es sollen mindestens zehn mit 30 Kilometer Länge werden. Zwar bleibt das wichtigste Segment der Winter und Mitteleuropa – doch in Zeiten des Klimawandels kommt der urbane Seilbahnboom gerade recht.

Nirgendwo sonst gibt es ein Netz wie in La Paz, dort können rund 125.000 Passagiere pro Tag transportiert werden, im Dezember wird der insgesamt 100-Millionste Fahrgast erwartet. Der Fahrpreis beträgt 35 Cent – als eines der ganz wenigen öffentlichen Verkehrsmittel weltweit könnte sich die Seilbahn wegen der enormen Nachfrage laut Branchenkennern in rund 15 Jahren amortisiert haben und ohne Subventionen auskommen.

Statt stundenlang im Stau zu stehen, können Arbeitnehmer viel Zeit sparen – und bei der Fahrt von der Stadt El Alto runter in den Talkessel von La Paz die herrliche Aussicht auf die schneebedeckten Andenberge genießen. Und man schützt das Klima: Da 70 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen in Städten anfallen, gelten solche „Himmel-Metros“ auch als ein Baustein für die notwendige Reduzierung der städtischen Treibhausgasemissionen.

„Fast jede Stadt in Südamerika ab 200.000, 300.000 Einwohner ist schon mit einer entsprechenden Seilbahnanfrage auf uns zugekommen“, sagt Assmann. Doppelmayr hat auch vier Bahnen in Venezuela gebaut, eine in Kolumbien, eine in Brasilien und eine in Mexiko. Leitner hat zum Beispiel die 3,5 Kilometer lange Seilbahn in Rio de Janeiro gebaut, die die Riesenfavela Complexo do Alemão an eine Metrostation angebunden hat und 3000 Passagiere in der Stunde transportieren kann. Aber wegen Geldproblemen der Stadt stand die Bahn zuletzt oft still.

In Ecatepec hat die Seilbahn „Mexicable“ rund 1,7 Milliarden Pesos (76,3 Millionen Euro) gekostet. In den 185 Gondeln finden jeweils bis zu zehn Passagiere Platz. Pro Tag kann die Seilbahn bis zu 24.000 Menschen transportieren. Nach Angaben der Regierung des Bundesstaats México werden durch den Betrieb pro Jahr 10.000 Tonnen CO2-Ausstoß vermieden. „Ich komme jetzt viel schneller zur Arbeit. Und es ist auch bequemer. Die Busse sind immer total überfüllt“, sagt die Passagierin Nancy Romero. Sieben Pesos (30 Cent) kostet die Fahrt.

Netter Nebeneffekt: Straßenkünstler haben entlang der Strecke viele Wandgemälde geschaffen. Bei der Fahrt können Passagiere nun zum Beispiel ein riesiges Porträt der Malerin Frida Kahlo bestaunen.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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