Seit gestern versucht der Insolvenzverwalter der Kloster-Wirtshauskette, die Sünden der Vergangenheit aufzudecken
Der heilige Berg von Andechs bebt

Das Kloster Andechs liegt seelenruhig zwischen Ammersee und Starnberger See. Bei Föhn sind die Alpen zum Greifen nah. Doch der friedliche Eindruck des Wallfahrtsortes täuscht. Der heilige Berg der Bayern bebt, die Benediktinermönche kommen nicht mehr aus den Schlagzeilen.

MÜNCHEN.Erst unterlag der durch Talkshows bundesweit bekannte Pater Anselm Bilgri im vergangenen Jahr bei den Abtwahlen seinem Kontrahenten Johannes Eckert. Bilgri gilt als Macher von Andechs und hatte das Klosterbier zur nationalen Marke aufgebaut. Der neue Abt beschnitt ihm die Kompetenzen. Vor vier Wochen schließlich verließ der wirtschaftsnahe Mönch Bilgri das Kloster des Ordens mit dem Leitspruch „Ora et Labora“.

Eines der Projekte des Manager- Mönchs war der Aufbau einer deutschlandweiten Gastronomiekette. Dafür hatte Bilgri den Ulmer Immobilienunternehmer Rainer Staiger als Partner gewonnen, der sich ebenso wie das Kloster mit 42 Prozent an der Kloster Andechs Gastronomie AG beteiligte. Zehn Andechser-Gaststätten gibt es bereits. Es sollte ein großes Rad gedreht werden. Wohl zu groß für die neue Klosterführung. Vergangenen Donnerstag dann der Knall: Die Kloster Andechs Gastronomie AG stellte Insolvenzantrag – oder besser gesagt, Pater Korbinian. Der Vertraute von Abt Eckert im Vorstand hatte einen hohen Wertberichtigungsbedarf festgestellt.

Seither tobt eine wahre Schlammschlacht zwischen Staiger und dem Abt. Sie werfen sich Blockade und Vorenthaltung von Informationen vor. Staiger wurde nach eigenen Angaben vom Insolvenzantrag überrascht. Eine Bank habe erst darauf hin die Kreditlinie gekündigt. Die Folge sei jetzt die Zahlungsunfähigkeit. Staiger kündigte gegen Eckert ein Amtsenthebungsverfahren an und legte Einspruch gegen den Insolvenzantrag ein. Den zog Staiger aber gestern zurück, um in die Offensive zu gehen. Er bot dem Abt an, die Anteile des Klosters an der AG zu übernehmen und danach genug Liquidität bereit zu stellen.

Seit gestern muss Insolvenzverwalter Werner Schneider Ordnung in das Durcheinander bringen und die Sünden der Vergangenheit aufdecken. „Die AG in der jetzigen Form ist wirtschaftlich nicht tragfähig“, sagte der Sprecher des Klosters. Die Führung sehe sich durch Aufnahme des Insolvenzverfahrens bestätigt und bleibt gelassen. Wohl auch weil die Gastronomie-Kette nur vier Prozent des Bieres der Brauerei abnimmt. Die Gewinne der Brauerei sind für die Mönche lebenswichtig. Denn Klöster müssen sich selbst finanzieren und erhalten keine Kirchensteuer.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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