Sektkellerei
Lieber trocken trinken, als trocken feiern

Der Grundstein für den Erfolg der Sektkellerei Henkell wurde 1856 gelegt, als Adam Henkell in seiner Weinhandlung in Mainz mit der Herstellung von Schaumwein begann. Die Sektkellerei, die über Jahrzehnte Marktführer in Deutschland war, feiert nun ihren 150. Geburtstag – als Nummer zwei hinter Rotkäppchen.

FRANKFURT. Die Mienen der Zuhörer sind gequält, die Rede ist einschläfernd – plötzlich zerreißt ein lauter Plopp die Langeweile der illustren Gesellschaft. Schimanski, alias Götz George, im Smoking öffnet eine Flasche Henkell Trocken und rutscht die Kurven einer überlebensgroßen weiblichen Statue ins Erdgeschoss hinunter, um dort mit jungen Frauen „lieber trocken zu trinken, als trocken zu feiern“.

Langeweile wie zu Beginn von Helmut Dietls Werbefilm aus den 90ern soll morgen Abend im Marmorsaal der klassizistischen Firmenzentrale von Henkell & Söhnlein in Wiesbaden-Biebrich erst gar nicht aufkommen, wenn 450 Kunden und Wegbegleiter mit der Geschäftsführung den 150. Geburtstag des Henkell-Sekts feiern. Ein „prickelndes Fest“ wolle man, bei dem Sternekoch Johann Lafer mit Kollegen zum „walking dinner“ lädt. Dazu gibt es Schaumwein der Geburtstagsmarke, vom Klassiker Henkell Trocken über die Varianten brut, Blanc de Blancs und Rosé bis hin zum Prestigeprodukt Adam Henkell.

Hans-Henning Wiegmann, der Vorsitzende der Geschäftsführung, wird vermutlich über „Deutschlands beliebteste Sektmarke“ erzählen, deren Flaschen sich zuletzt 16 Millionen Mal je Jahr verkauften, was dazu beitrug, dass das Sekthaus dem Mutterkonzern Oetker unlängst „einen Pikkolo mehr Gewinn“ als im Vorjahr überweisen konnte.

Der Grundstein für diesen Erfolg wurde 1856 gelegt, als Adam Henkell in seiner Weinhandlung in Mainz mit der Herstellung von Schaumwein begann. Was Henkell zu dem Zeitpunkt wohl nicht wusste, war, dass 350 Kilometer nordöstlich im Weinbaugebiet Saale-Unstrut die Brüder Moritz und Julius Kloss mit ihrem Freund Carl Foerster ein Weingeschäft gründeten, in dem sie zwei Jahre später ihren ersten selbst produzierten Schaumwein verkauften. Aus der Weinhandlung wird später die Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg – noch heute der schärfste Rivale der Henkells.

Henkell-Enkel Otto baute das Geschäft seines Großvaters weiter in Richtung Sekt aus. „Damals fasste ich die Idee, dass wir uns hauptsächlich auf das Sektgeschäft werfen müssten und dass zu diesem Zweck allerdings erst der Name Henkell bekannt zu machen sei“, schrieb er damals in sein Tagebuch. Mit einer von namhaften Künstlern gestalteten Reklame wurde in Zeitschriften wie „Simplicissimus“ für die Marke geworben. Zur vorletzten Jahrhundertwende wurden bereits drei Millionen Flaschen verkauft.

In Freyburg in Sachsen-Anhalt dagegen musste sich das Haus Kloss & Foerster 1894 von seiner Marke Monopol verabschieden. Die Champagnerfirma Walbaum-Heidsieck hatte den Schutz seiner Standardmarke „Monopole“ vor deutschen Gerichten durchgesetzt. Was also tun? Schließlich wird die traditionell rote Flaschenkapsel der Sekte zum Namensgeber der neuen Marke: „Rotkäppchen“.

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