Selbst eine Zerschlagung des Finanzkonzerns ist im Gespräch – Spekulationen um neue Aufsichtsratsmitglieder
Börse muss Vertrauen zurückgewinnen

Dieses Finale hatte niemand erwartet. Nach den heftigen Protesten im Aktionärskreis der Deutschen Börse war zwar mit einem Rücktritt von Aufsichtsratschef Rolf Breuer gerechnet worden, der vermutlich das Aus für Vorstandschef Werner Seifert nach sich gezogen hätte.

fs/mm/pot FRANKFURT/M. Doch kam es gestern genau andersherum: Seifert geht sofort, während Breuer erst noch die Suche nach einem Nachfolger übernehmen will. Erst danach wird auch der ehemalige Deutsche Bank-Chef seinen Posten aufgeben.

Wie in Aufsichtsratskreisen zu hören ist, hätte Breuer am liebsten die Brocken sofort hingeschmissen. Er stand besonders im Kreuzfeuer der kritischen Aktionäre, die ihm mangelnde Wahrnehmung ihrer Interessen und das zu lange Festhalten an Seifert vorwerfen. Doch im Laufe der rund sechsstündigen Aufsichtsratssitzung setzte sich gestern anscheinend die Erkenntnis durch, dass Breuer erst noch die Nachfolge regeln sollte. „Er hat sich damit einen eleganten Abgang verschafft“, hieß es dazu in Finanzkreisen. Andere Beobachter fragen allerdings, wie viel Breuer bei der Nachfolgefrage wirklich zu sagen hat. „Das bestimmen allein die Aktionäre, die Breuer und Seifert abserviert haben“, glaubt ein Frankfurter Börsenkenner.

Auf jeden Fall hofft der Aufsichtsrat, dass wenigstens die längerfristig orientierten Anleger aus der Gruppe der Kritiker ihren Widerstand aufgeben werden. Dazu zählen Investoren wie Fidelity, Capital und Merrill Lynch. Sie waren zwar äußerst kritisch gegenüber der Börsenführung, gelten aber als nicht ganz so unversöhnlich wie die Hedge Fonds TCI und Atticus, die den Widerstand angeführt hatten.

Wie es aber wirklich bei der Börse weitergeht, weiß niemand, zumal sich TCI bisher nicht öffentlich zu den eigenen Plänen geäußert hat. Die größte Sorge am Finanzplatz Frankfurt ist, dass es zu einer Zerschlagung des Unternehmens kommt. Dieses Thema sei auch im Aufsichtsrat breit diskutiert worden, hieß es gestern in Kreisen des Gremiums. TCI wird unterstellt, dass der Fonds die Börse auf einen Börsengang der Terminbörse Eurex und den Verkauf des Abwicklers Clearstream drängen will. Die Einnahmen könnten dann wiederum an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

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