Selbstkritische Töne
Tui will stärker auf die Kapazitäten achten

Europas größter Touristikkonzern Tui will aus dem akuten Preisverfall, besonders im Reisemarkt Deutschland, Konsequenzen ziehen und künftig seine Produkte nicht mehr "verramschen".

Reuters HANNOVER. „Wir werden mit den Winterprogrammen klarmachen, dass wir inhaltlich unsere Qualitätsprodukte nicht verramschen werden“, sagte Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher dem Fachmagazin „Travel One“ in seiner jüngsten Ausgabe. Böttcher zufolge muss Tui, wie auch alle anderen Touristikanbieter, als Konsequenz aus dem Preisverfall in diesem Jahr künftig stärker auf die Kapazitäten achten.

Tui-Sprecher Mario Köpers kündigte am Donnerstag auf Nachfrage Details der neuen Überlegungen für die Präsentation der Programme zur Wintersaison 2003/2004 Ende Juli in Hannover an. „Klar ist: Es befinden sich eindeutig erhebliche Überkapazitäten im Markt“, sagte Köpers. „Das müssen wir uns als Tui sicher auch mit auf die Fahnen schreiben.“ Tui werde in seinem Winterprogramm, das vom 1. November an gilt, auch neue Preismodelle anbieten.

Selbstkritische Töne vom Tui-Deutschland-Chef

Das Thema „Preise“ hat sich nach den Worten von Tui-Deutschland-Chef Böttcher in diesem Jahr verselbstständigt. „Wir können es nicht zur Regel machen, eine Woche Mallorca für 249 Euro zu verkaufen“, sagte er dem Magazin. Alle Veranstalter hätten die Krise in diesem Jahr möglicherweise unterschätzt und zu viele Hotel- und Flugkapazitäten bereitgestellt. „Alle glaubten, 2003 wird wieder ein normales Jahr. Das war bei der Kapazitätsplanung ein Fehler“, räumte Böttcher ein.

Mit einer neuen Preisstrategie sollen die erheblich unter Druck geratenen Gewinnmargen wieder verbessert werden. „Es sind im Hinblick auf die Frage, wie wir unsere Preismodelle verändern, mehrere Antworten denkbar“, sagte Köpers. Als sehr wahrscheinlich gilt bei Tui, dass künftig vermehrt Reisen zu einem günstigen Grundpreis angeboten werden. Weitere Leistungen wie die Zugfahrt zum Abflug würden künftig aber nur noch gegen Aufpreis zu haben sein.

Tui hatte insbesondere in Deutschland den Preiskampf im Frühsommer durch die Gründung einer zusätzlichen Billigmarke Discount-Travel selbst kräftig angeheizt. Konkurrenten wie Thomas Cook hatten daraufhin mit zusätzlichen Preisnachlässen reagiert.

Der Umsatz mit Reisen liegt 2003 in Deutschland, dem größten Touristikmarkt in Europa, nach Branchenschätzungen noch immer annähernd zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Aufschwung, der nach Ende des Irak-Krieges eingesetzt hatte, habe sich ein wenig abgeschwächt.

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