Seminare
Wenn die Airline gegen Flugangst hilft

Flugreisen gehören heute praktisch zur Normalität. Doch die Panik vorm Fliegen ruiniert mitunter Urlaube und Karrieren. Auf die um sich greifende Flugangst reagieren auch die Fluggesellschaften.
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Florian Fritsch ist ein prominentes Beispiel für den Fluch der Flugangst. Wäre eine Busreise möglich gewesen, dann hätte der Profigolfer wohl an den Kenia Open 2010 teilgenommen. Doch er blieb fern – seine Flugangst fesselte ihn an den Boden. Die Phobie lähmte den 29-Jährigen so stark, dass er Krankheiten vorgaukelte, um nicht fliegen zu müssen. Nachdem er innerhalb eines Jahres fünf von zwei Dutzend Turnieren verpasst hatte, brach Fritsch die gesamte Tour ab und spielte mit dem Gedanken, sein Leben als Golflehrer von Amateuren im lokalen Club zu verbringen.

„Am Tag des Abflugs fühle ich mich wie der nächste Hinrichtungskandidat in der Todeszelle“, sagt Fritsch. „Auf dem Weg zum Flughafen, am Flughafen und während des Fluges fühle ich mich dann so, als ob mir jemand eine Pistole an den Kopf setzt und Russisches Roulette spielt. Es klickt ständig und ich warte nur darauf, dass der Knall losgeht.“

Fluggesellschaften haben die Notwendigkeit zum Handeln erkannt, um Menschen wie Fritsch als Kunden zu gewinnen. Easyjet kündigte jüngst an, die Anzahl an Seminaren für ängstliche Reisende im kommenden Jahr zu steigern und reagierte damit auf die steigende Nachfrage nach solchen Angeboten.

British Airways hat die Veranstaltungsorte für die Kurse immer weiter ausgebaut: 2012 wurde New York hinzugefügt, ein Jahr später Dubai, dieses Jahr Johannesburg und 2015 soll Dublin folgen.

Nach Angaben von Air France nimmt die Nachfrage nach den speziellen Seminaren zu – obwohl sie Hunderte Euro kosten können. In den Kursen wird Wissen über die Physik des Fliegens vermittelt, zusammen mit psychologischen Diskussionen und Entspannungstechniken, um den Stress zu mindern.

Menschen mit Flugangst haben Panik vor einem Kontrollverlust, verbunden mit mangelndem Wissen über ein ungewohntes Umfeld, erklärt Philippe Goeury, Psychologe am Anti-Stress-Center von Air France, der den Kurs leitet.

„Die steigende Nachfrage nach solchen Kursen spiegelt den Stress im Alltag wider“, sagt Goeury. „Es gibt den ständigen Druck, die eigene Leistung zu steigern. Immer mehr Menschen gehen zum Psychologen, alle sind aufgedreht. In einem Flugzeug können viele solcher Ängste zum Vorschein kommen.“

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Kosten von bis zu 5000 Dollar

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