Senioren von morgen sind anders: Einzelhandel muss jugendlich und altersgerecht sein

Senioren von morgen sind anders
Einzelhandel muss jugendlich und altersgerecht sein

Die Szene aus einer US-Sit-Com bringt das Problem auf den Punkt: Auf die Frage, warum er keine ältere Mitarbeiterin für Gelegenheitsarbeiten einstellen wolle, antwortet der Chefredakteur einer Lokalzeitung: „Ich möchte doch nicht jeden Tag daran erinnert werden, dass ich auch mal alt werde.“

Mit dem Thema Alter setzt sich der moderne Mensch nicht gern auseinander. „Sicherlich auch weil wir in einer Phase leben, in der Jugendlichkeit als Maß aller Dinge herausgestellt wird“, schätzt Andreas Kaapke, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IfH) an der Universität zu Köln, Experte für das Thema demographischer Wandel. So richtet auch die Wirtschaft ihren Fokus auf die Jugend: Es sei wichtig, die junge Generation zu gewinnen, um nicht mit der Stammkundschaft alt zu werden und vom Markt zu verschwinden.

Doch angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland ist das nur die halbe Wahrheit. Der Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung wird bis 2020 etwa 28,6 Prozent der Bevölkerung ausmachen, 1991 waren es 20,4 Prozent, gibt Deutschlands größter Handelskonzern Metro Group in Düsseldorf zu bedenken. Der Anteil der unter 20-Jährigen sinke dann auf 17,4 Prozent. „Die Auswirkungen des demographischen Wandels kommen zwar erst noch, aber sie kommen – und zwar schneller als die meisten denken“, prophezeit Metro-Chef Hans-Joachim Körber. Gleichzeitig schrumpft die Bevölkerung – bis 2050, je nach Zuwanderunsmodell, um über 20 Mill. von 82,8 Millionen auf 60 Millionen Menschen. Wer also in Zukunft wachsen will, muss die Senioren im Blick behalten.

Dennoch wird das Thema seit Jahren von fast allen Entscheidungsträgern in Deutschland gemieden. Auch im Einzelhandel werde die Notwendigkeit zu wenig gesehen, fürchtet Harald Schedl, Director der Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners in Bonn. Dabei zeigt das Beispiel CentrO Oberhausen, dass die einseitige Ausrichtung auf jugendliche Käufer schon heute fatale Folgen hat, legt Berater Schedl dar: „Es gab zunächst extrem viele Läden für junge Leute. Doch die hatten kein Geld. Erst als man auch Läden für ältere, kaufkräftige Konsumenten ins CentrO holte, entspannte sich die Lage.“

Dass der demographische Wandel die Handelslandschaft gravierend verändern wird, ist für Kaapke schon abzusehen, denn ältere Menschen funktionierten anders als junge, auch „wenn sich der Senior von heute und morgen nachhaltig von früheren Rentner-Generationen unterscheidet“. Die heutigen Senioren seien in der Regel gut ausgebildet, sprächen mindestens eine Fremdsprache, seien gesünder und hätten damit eine höhere Lebenserwartung. Außerdem ist laut Kaapke der Anteil der Führerscheinbesitzer höher, sie sind freizeitorientierter, haben im Zweifel aber ein kleineres familiäres Netz. „Alte Menschen nehmen mehr und mehr aktiv am Leben teil. Sie reisen, erleben Kultur, treiben Sport und kaufen ein“, glaubt auch Joachim Dudek vom Architekturbüro „Department Store Design Planungsgesellschaft“ in Mülheim/Ruhr.

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