„Senk ju vor träwelling“

Ende für „Bahnglisch“

Noch vor Jahren hatte die Deutsche Bahn vor allem ein Image als „Sprachpanscher“. Nun verstärkt der Konzern seine Bemühungen um die Sprache. Mitarbeiter erhalten ein Glossar mit deutschen Wörtern.
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Die Deutsche Bahn will die deutsche Sprache besser pflegen und Anglizismen im Konzernalltag künftig noch stärker vermeiden. Quelle: dpa

Die Deutsche Bahn will die deutsche Sprache besser pflegen und Anglizismen im Konzernalltag künftig noch stärker vermeiden.

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BerlinHandzettel statt Flyer und Service-Nummern statt Hotlines: Die Deutsche Bahn will die deutsche Sprache besser pflegen und Anglizismen im Konzernalltag künftig noch stärker vermeiden. In Leitlinien für die Mitarbeiter legt das staatliche Unternehmen dazu fest, dass möglichst durchgängig die deutsche Sprache verwendet werden solle. Ein Bahnsprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Welt am Sonntag“. Zudem wurde ein Glossar mit 2200 verbreiteten Begriffen und ihren jeweiligen deutschen Entsprechungen erstellt. Die Regeln gelten sowohl für die Kommunikation nach außen als auch intern.

Bei bekannten Marken wie „Call-a-Bike“ soll künftig eine deutsche Erläuterung wie „Das Mietrad-Angebot“ hinzugefügt werden. Auch mit der Rechtschreibung will die Bahn es genauer nehmen: Aus dem „ReiseZentrum“ wird das „Reisezentrum“ mit kleinem „z“. Zuvor waren bei der Bahn Service Points bereits zu DB Informationen und Counter wieder zu Schaltern geworden.

2007 war der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn noch vom Verein Deutsche Sprache zum „Sprachpanscher“ des Jahres gekürt worden. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hatte der Konzern viele Ansagen in Zügen auch auf Englisch formuliert. Vor allem die Abschiedsfloskel „Thank you for travelling with Deutsche Bahn!“ wurde zu einem Klassiker - in leicht spöttischer Form sogar als Buchtitel „Senk ju vor träwelling“.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte dem Blatt, man müsse bei den Anstrengungen mit Augenmaß vorgehen. Den ICE (Intercity-Express) wolle er nicht umtaufen. „Hier lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen.“ Überhaupt habe man nichts gegen englisch klingende Markennamen wie „BahnCard“. „Das ist aus unserer Sicht in Ordnung“, hieß es im Ministerium. Auch englische Durchsagen solle es weiter geben. Ein unverständlicher Mix aus Deutsch und Englisch werde aber abgelehnt. Ramsauer setzt sich seit Jahren auch in seinem Haus für die Pflege der Sprache ein.

  • dpa
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  • Mir leuchtet nicht ein, warum internationale Gäste verwirrt sein sollten, wenn man z.B. eine „BahnCard“ eben als „Bahnkarte“, „Treueausweis“ oder „Rabattkarte“ bezeichnen würde.
    Ja, es wurde Zeit, dass sich die Bahn darauf besinnt, dass die allermeisten ihrer Kunden eben der deutschen Sprache mächtig sind und dass die Titel ihrer Angebote durch Denglizismen nicht verständlicher sondern vielmehr befremdlicher werden.
    Das ist aber meiner Meinung nach nur ein Nebenschauplatz – weit wichtiger wäre es, wenn die Bahn endlich auf diese bescheuerten Durchsagen im Zug verzichten würde, denn für die wenigen Leute, die das wirklich hören wollen, ist es aufgrund mangelnder Tonqualität oder Umgebungsgeräusche oft nicht verständlich und alle anderen nervt das Gequassel einfach nur! Der Gipfel der sinnlosen Belästigung ist es dann, nach den ganzen Verbindungshinweisen noch die ellenlangen Begrüßungs- und Abschiedssätze mit Regionalsektion, Danksagung, Entschuldigungsfloskeln und Wünschen in zwei Sprachen hören zu müssen. In neueren Zügen stehen ja ohnehin die wesentlichen Fahrtinfos auf den Monitoren bei den Türen, mehrsprachige Schilder, die darauf hinweisen, sollten dann wohl für die allermeisten Leute genügen und wenn dann noch etwas unklar sein sollte, gibt es ja noch Zugbegleiter. Lautsprecher sollten in Zukunft nur noch benutzt werden, wenn die Zugbegleiter der Flut der Anfragen nicht mehr Herr werden sollten.

  • Und wenn dann die Züge auch noch pünktlich ankommen und abfahren und nicht nur "in time", dann ist alles wieder gut.

  • Jede Sprache ist ein Stück Kultur eines Volkes und diese Kultur wird in Deutschland schon seit längerem mit Füßen getreten.

  • Tja, ich habe 15 Jahre im Ausland gewohnt.

    Als ich wegging hießen Fahrkarten noch Fahrkarten und Eintrittskarten noch Eintrittskarten.

    Als ich wiedergekommen bin, sind's auf einmal alles "tickets". Und da meint manch einer noch, das wäre ein deutsches Wort....

  • "Endlich ein Anfang. Wer den Wert seiner eigenen Sprache selber nicht hochschätzt, warum sollen es die Ausländer machen. In Spanien, wenn du kein Spanisch sprichst hast Pech gehabt,"

    Versuchen Sie mal in Frankreich mit Englisch durch zu kommen.

    deshalb lieber Forist Neptun:
    nachdrückliche Zustimmung.

    Mehdorn war ja als abschreckendes Beispiel richtig gut. Aber absolut brillant war Jil Sander - diese Dame hat das Gewelsche in ihre Alltagssprache übernommen. Da schüttelte es einen direkt.

  • Mit Ihrer Kritik an dem Begriff BahnCard liegen sie völlig daneben. Es handelt sich tatsächlich um eine Karte, die der Angelsachse als "loyalty card" bezeichnen würde. Die BahnCard ist kein Ticket! Und die Tickets der Bahn heissen tatsächlich auch "Tickets".

  • Endlich ein Anfang. Wer den Wert seiner eigenen Sprache selber nicht hochschätzt, warum sollen es die Ausländer machen. In Spanien, wenn du kein Spanisch sprichst hast Pech gehabt, In England und USA entweder sprichst du Englisch oder hast keine Chance. Ein amerikanisches Unternehmen würde nie im Traum daran denken, seine Besprechungen in Deutsch abzuhalten, in den Deutschen Unternehmen reicht für den Job, wenn du englisch sprichst. Viele Spanier wollen in Deutschland arbeiten, aber die wenigsten wollen die Sprache lernen, dagegen platzen in Spanien die Englischkurse aus allen Nähten. In Europa hält keiner die Deutsche Sprache für wichtig, obwohl Deutschland vielen Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze anbietet. Die Deutschen vergewaltigen ihrer eigenen Sprache mit Englisch, Französisch... Deutsch war mal die Sprache der Dichter und Denker, heute gilt es als unwichtig.

  • Sollte nicht nur die Bahn tun, weil wenn man Deutsche zB. das Wort "Handy" verwenden hört, dann findet man dies doch etwas befremdlich.
    Irgendwie verbindet sich damit die Assoziation mit Kindern, die so tun, als ob sie eine Sprache könnten, aber eigentlich nur den Klang nachahmen.

    Fragen Sie mal einen Englischsprechenden, was das ist, ein Handy!
    BahnCard=> noch nie was von dem Wort "ticket" gehört. Solche Germanismen sind doch einfach nur zu peinlich. Auch wenn der Ramsauer sie gut findet.

  • Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn in einem - laut Selbstdarstellung - globalen und über 70% der Welt tätigen Unternehmen Anglizismen in der Kommunikation benutzt werden würde. Oder wenn es in dem Logistik- und Transitland Deutschland den ausländischen Durchreisenden und Touristen eine einfache Orientierung in den Bahnhöfen ermöglicht werden würde.

    Ich glaube bei der Bahn gibt es mehr als genug Baustellen. Schade, dass man Ressourcen in so eine Scheiße investiert, nur um rückwärtsgewandten Deutschtümlern entgegen zu kommen.

  • Find ich gut! Hoffentlich wird es von der Bahn auch konsequent umgesetzt. Und zwar so, dass es nicht wieder in die paragrafenlastige Behördensprache abgleitet.
    Sehr schön ist für englischsprachige Bekannte übrigens der Begriff rail@fly. Sie wollen sich immer kaputtlachen, wenn dieses Konglomerat bei einem Onlinereisebüro auftaucht. Es ließe sich nämlich mit "fluchen@fliegen" übersetzen.

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