Sepa
Einzelhändler boykottieren Europa-Lastschrift

Die deutschen Einzelhändler wollen die neue Europa-Lastschrift Sepa wegen der hohen Kosten nicht nutzen. Grund ist nach Angaben des Einzehandels die etwa doppelt so hohen Kosten. Auch andere Teile der Wirtschaft sind bei dem Thema zurückhaltend, zeigt eine neue Studie. Sepa droht ein Fehlstart.
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FRANKFURT. Nach Angaben des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) sind Zahlungen mit der EC-Karte, die über Sepa abgewickelt würden, derzeit etwa doppelt so teuer wie eine deutsche Einzugsermächtigung. "Solange es da keine Lösung gibt, werden wir die Sepa-Lastschrift allenfalls bei Geschäften mit Lieferanten, nicht aber bei Kundenzahlungen nutzen", sagte ein HDE-Sprecher.

Auch andere Teile der Wirtschaft sind bei dem Thema zurückhaltend, zeigt eine neue Studie. Damit droht dem neuen Lastschriftverfahren in Deutschland schon gleich zu Beginn ein Fehlstart. Die Single Euro Payments Area (Sepa) soll eine Vielzahl nationaler Systeme in Europa für Lastschriften, Überweisungen und Kartenzahlungen ablösen. Die Europa-Lastschrift startet am 1. November. Das bisherige Lastschriftverfahren in Deutschland gilt aber weiterhin.

Das nutzen viele Firmen aus: Nur 15 Prozent der befragten Unternehmen - dabei handelt es sich um Firmenkunden deutscher Banken - wollen einer Studie der Beratungsgesellschaft PPI zufolge die Sepa-Lastschrift noch in diesem Jahr nutzen, weitere zwölf Prozent ab 2010. Etwa zwei Drittel der Befragten planen keine Einführung der Sepa-Lastschrift. Das ist im Vergleich zu den Ergebnissen der gleichen Befragung aus dem Jahr 2007 ein deutlicher Rückgang. "Damals plante über die Hälfte der Unternehmen, im Jahr 2009 Forderungen per Sepa-Lastschrift einzuziehen", heißt es in der Untersuchung.

Beim Einzelhandel sind die Kosten der Grund: Wer bislang im Handel mit seiner EC-Karte zahlt, muss diese Lastschrift entweder durch die Unterschrift des Belegs oder die Eingabe seiner Geheimzahl bestätigen. Bei Händlern geläufiger ist die Autorisierung per Unterschrift, denn die ist nur halb so teuer wie das chipbasierte Geheimzahl-Verfahren. "Derzeit ist das Verfahren Karte plus Unterschrift mit Sepa aber nicht möglich", sagt ein HDE-Sprecher. Das liege nicht daran, dass dies technisch unmöglich sei, sondern weil es mit den Banken keine Einigung darüber gebe.

"Wir sind Verfechter der sicheren PIN-basierten Kartenzahlung", bestätigt Andreas Martin, ein Vorstand des Bundesverbands der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), doch er sieht darin keinen Hinderungsgrund. "Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit, über alternative sepa-konforme Formen auf dem Gebiet der Kartenzahlung zu reden", sagt er.

Als großes Problem gilt aber, dass Unternehmen bestehende Einzugsermächtigungen nicht automatisch auf Sepa umstellen dürfen. Dazu hätte die Regierung ein entsprechendes Gesetz erlassen müssen, was nicht geschah. Deshalb müssen die deutschen Firmen sich nach der aktuellen Rechtslage erst neue Sepa-Einzugsermächtigungen bei ihren Kunden einholen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) schätzt die Kosten einer Umstellung auf die Sepa-Lastschrift auf 1,5 bis zwei Mrd. Euro, wenn kein Gesetz für eine automatische Übertragung sorgt. Hinzu kämen 600 Mio. Euro Porto-Kosten.

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