Serge van der Hooft
Der Sex-Seller

Manche Manager tun sich mit der Erotikbranche schwer - Serge van der Hooft hatte überhaupt keine Berührungsängste: Schon als Kind half er seinem Vater beim Dildo-Verkauf. Heute ist der 31-Jährige Vorstandschef von Beate Uhse.

Zwölf Minuten dauert es, bis er das Wort mit den drei Buchstaben das erste Mal in den Mund nimmt. Serge van der Hooft bemüht sich, seriös zu wirken: Während er ans Pult geht, knöpft er das Jackett seines grauen Anzugs zu, zupft an seiner silbergestreiften Krawatte und versucht mit jedem Einzelnen der Anwesenden auf der Bilanzpressekonferenz Blickkontakt aufzunehmen. Dann beginnt der 31-Jährige mit den Ausführungen zum vergangenen Geschäftsjahr. Er verkündet, dass Beate Uhse zurück in den schwarzen Zahlen ist, trotz gesunkener Umsatzerlöse, und berichtet von seinen ehrgeizigen Plänen als frisch gekürter Vorstandssprecher.

Serge van der Hooft wirkt noch sehr jungenhaft, er liest vom Blatt ab und sein holländischer Akzent färbt seine Worte: Es geht um hochwertige "Prödukte" in Verpackungen mit "edlem Tötsch" (Touch) und viele andere Neuerungen. Er könnte auch Verkäufer in einer Parfümerie oder in einem Schmuckladen sein.

Dann endlich redet er Tacheles: "Sex", sagt er. Und: "Sextoys." Hochwertige Sextoys der eigenen Marke entwickelten sich überdurchschnittlich gut. Wenn Serge van der Hooft über sein Geschäft spricht, redet er lieber von Erotik. Er sagt dann "Ero-tik" mit Betonung auf der letzten Silbe und verbessert sich schnell, weil eine deutsche Kollegin extra die richtige Aussprache mit ihm geübt hat: "Nein, E-ro-tik muss es heißen", sagt er und grinst.

Mit 30 Jahren wurde der Niederländer als COO Vorstandsmitglied von Beate Uhse. Seit dem 1. April ist der studierte Betriebswirt nun Sprecher des Vorstands. An die Bilder leicht bekleideter Damen und Herren in eindeutigen Posen hat er sich schon als kleiner Steppke gewöhnt. Sein Vater war Gebietsverkaufsleiter in der Erotikbranche in Holland. Ihm half er, Pakete zu packen und Produktkataloge zu versenden. "In meiner Heimatregion waren kleine Sex-Shops stark verbreitet. Wenn ich für karitative Organisationen gesammelt habe, war es ganz normal, dass ich mit meiner Büchse auch in diese Läden gegangen bin."

Wohl deshalb hat er ein so unverkrampftes Verhältnis zur Materie. Anders als sein Vorgänger, der 50-jährige Otto Christian Lindemann, ein hoch gewachsener Kaufmann hanseatischen Typs, der eine Weile brauchte, um sich an die Branche zu gewöhnen, wirkt van der Hoofts Rolle als Chef des größten Erotikkonzerns authentisch. Er ist von durchschnittlicher Größe, ein kleiner Bauch zeugt von seiner Freude am Essen und Trinken. Er wirkt, als könne er in beiden Welten eine gute Figur abgeben: In Gesprächen mit Analysten und Bankern genauso wie in den Verhandlungen mit Sex-Shop-Betreibern und -Lieferanten. "Er ist von Natur aus ein Handelsmann durch und durch", sagt Gerard Cok, Aufsichtsratsvorsitzender von Beate Uhse und als einstiger Vorstand van der Hoofts Ziehvater. "Er hat schon in jungen Jahren bei uns im Konzern begonnen, alle für seine Karriere entscheidenden Stellen zu durchlaufen." Nach seinem Master-Abschluss in Financial Management hat van der Hooft ein knappes Jahr als Berater im Merger-&-Acquisitions-Geschäft gearbeitet, 2001 begann er seine Laufbahn bei Beate Uhse.

Sein Auftritt vor den Medienvertretern im Hamburger Wasserturm zeugt von Professionalität, nicht von Scheu oder Unsicherheit. Er vermeidet überhebliche Gesten, wie manch anderer junge Topmanager sie sich angewöhnt hat. Und er ist so klug, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Aus Gesprächen mit konservativen Managern weiß er, dass nicht jedermann auf Beate Uhse gut zu sprechen ist. Manch ein Banker macht keine Geschäfte mit ihm, weil ihm die Branche missfällt.

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