Serie: Deutschland baut um - Teil 6
Die Deutsche Post hebt ab

Im Sommer wie im Winter, bei Regen oder Sturm sticht Hans-Friedrich Nissen, den seine Freunde nur Fiede nennen, für die Deutsche Post in See. Mit seinem Boot „Störtebeker“ versorgt der bärtige Friese die Halligen Langeneß, Oland und Gröde in der Nordsee mit Briefen und Paketen.

DÜSSELDORF. Die Zustellung ist abhängig von den Gezeiten. Vier Stunden hat der Postschiffer, um alle Eilande zu versorgen. Im Sommer stapft er auch einmal in der Woche bei Ebbe durch den Schlick zur Hallig Habel. Dort sitzt von März bis Oktober ein einsamer Vogelkundler und wartet auf Briefe.

Eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch über Briefträger aus den guten alten Tagen der Bundespost. Denn Zustellung ist heute für den Logistikkonzern, der inzwischen unter der international renommierten Express-Marke DHL antritt, ein hoch technisierter Prozess. DHL testet als Partner der Metro Future Store Initiative bereits das „intelligente Paket“: Ein mit Funketiketten ausgestattetes Paket, das sich sozusagen von selber seinen Weg zum Empfänger sucht und in Paketautomaten abgeholt werden kann. Der gute alte Briefträger ist längst Geschichte oder eben ein Exot wie Nissen.

Aus der Behördenpost ist ein moderner Logistikkonzern geworden und einer der weltweit größten dazu: Nach dem Kauf des britischen Logistikers Exel für 5,6 Mrd. Euro ist die Deutsche Post seit diesem Jahr mit einer halben Million Mitarbeitern in die erste Liga der größten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Vom Brief- über den Expressdienst und die Postbank bis hin zur Kontraktlogistik, dem individuellen Management aller Transporte für Industrie- und Handelsunternehmen, reicht die Palette des Komplettanbieters in der Logistik. Das ist vor allem der Verdienst eines Mannes: Klaus Zumwinkel.

Seit der Übernahme von Exel ist von der Krönung einer Ära die Rede. Doch mit Majestäten hat Zumwinkel eher wenig im Sinn. Heinrich von Stephan (1831-1897) heißt sein historisches Vorbild, der Organisator des deutschen Postwesens. Von Stephans Bild schmückt Zumwinkels Büro. Berühmt wurde der Spitzenbeamte wegen seiner Integrationsleistung, aus vielen Landespostämtern schuf er die Reichspost.

Die Leistung von Klaus Zumwinkel könne sich sehen lassen, bescheinigt Investmentbanker Klaus Kaldemorgen von der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Konkurrenten sehen die Erfolgsstory naturgemäß kritischer. Im Schatten des Briefmonopols sei der Ausbau zum Logistikkonzern zu Lasten der Wettbewerber und Verbraucher erfolgt. Wettbewerbsverzerrung, schimpft Michael Kühne, Mehrheitsaktionär der Schweizer Spedition Kühne+Nagel.

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