Serie: Folgen des Klimawandels
Geoingenieure wollen das Klima retten

Während Umweltpolitiker versuchen, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu begrenzen, setzen Geoingenieure auf großtechnische Projekte, um das Klima zu retten.

DÜSSELDORF. Riesige Spiegel, gigantischen Schwefelwolken zur Beschattung der Erde oder die Versenkung von Kohlendioxid mit Hilfe von Plankton im Meer könnten den Klimawandel vielleicht aufhalten, doch Klimaschützer fürchten, dass diese Ideen machbare Bemühungen um die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes schwächen. Wissenschaftler wie Ralph Cicerone verteidigen indes die Vorschläge. Der Präsident der National Academy of Sciences plädiert sogar dafür, Geoengineering wie jedes andere Fachgebiet zu behandeln. Nur durch den üblichen wissenschaftlichen Prozess ließen sich Unzulänglichkeiten und Fehler aufdecken, so sein Argument.

Die wohl verrückteste Idee zu Rettung des Klimas stammt von Lowell Wood vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien: Er will riesige Spiegelsysteme im Orbit installieren, um Sonnenenergie ins All zurück zu strahlen. Um die Sonneneinstrahlung zur Erde so zu beeinflussen, dass die Erderwärmung bei Bedarf deutlich reduziert werden könnte, müsste ein solches System auf einer Fläche größer als Manhattan mit 55 000 kleinen Spiegeln ausgestattet sein, hat Wood errechnet. Noch gibt es keine Bestrebungen diese Idee in die Tat umzusetzen, doch zahlreiche amerikanische Wissenschaftler halten es für wichtig, über solche Dinge nachzudenken, um im Notfall einer dramatischen Erderwärmung entgegensteuern zu können.

Dieser Meinung ist auch Nobelpreisträger Paul Crutzen vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Er hat ebenfalls über eine Abschattung der Erde nachgedacht und im Sommer dieses Jahres in einem Essay für die Zeitschrift „Climatic Change“ vorgeschlagen, dem Treibhauseffekt durch Injektion von Schwefel in die Stratosphäre in 25 bis 30 Kilometer Höhe zu begegnen. Langlebige Aerosoltröpfchen aus Schwefeldioxid sollen das Sonnenlicht zurückstreuen und so kühlend wirken.

Schwefel, einst als Umweltschmutz in der Luft verteufelt, könnte so also helfen, einem weiteren Temperaturanstieg auf der Erde entgegenzuwirken. Vorbild ist die Natur: Gelegentlich spucken Vulkane Millionen Tonnen Schwefeloxide in die Stratosphäre und senken so nachweislich die globale Temperatur. Zuletzt kühlte der philippinische Vulkan Pinatubo 1991 mit einer Explosion die Erde um etwa ein halbes Grad.

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