Share Economy Ein Hund für einen Tag

Fast alles kann man mittlerweile leihen oder tauschen – aus den USA kommt nun der neuste Trend nach Europa: Haustiere auf Zeit. Das Leasing von Hunden gibt vor allem Senioren neuen Lebensschwung und Hoffnung.
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Wenn man Autos und Räder leihen und essen tauschen kann, warum sollte die Share Economy dann nicht auch bei Tieren funktionieren? Katrin Rösemeier vom Hundeverleih „Bluebello“ erprobt das Geschäftsmodell. Quelle: dpa

Wenn man Autos und Räder leihen und essen tauschen kann, warum sollte die Share Economy dann nicht auch bei Tieren funktionieren? Katrin Rösemeier vom Hundeverleih „Bluebello“ erprobt das Geschäftsmodell.

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HannoverTeilen ist in: Nach Autos, Wohnungen und selbst Werkzeugen gilt das nun auch für Vierbeiner. Miethunde erobern als Geschäftsidee den deutschen Markt. Der Grundgedanke des aus den USA kommenden Modells „Rent-a-dog“ ist einfach: Auf die jeweilige Lebenssituation des Menschen zugeschnitten wird Bello nicht gekauft, sondern für einen bestimmten Zeitraum gemietet. Das Modell, das in den USA und Großbritannien schon seit Jahren erfolgreich ist, ähnelt ein wenig dem Leasing: Der Vierbeiner bleibt wie beim Auto-Mietkauf auch Unternehmenseigentum.

Katrin Rösemeier aus Hessisch-Oldendorf (Niedersachsen) ist seit September 2013 Trendsetter in Deutschland. Sie hat bei Besuchen im Altersheim vor allem allein stehende, ältere Menschen als Zielgruppe entdeckt. Eine Bremer Tierärztin bestärkte sie bei ihren Plänen. Ihre Leihhunde stammen meist von Besitzern, die sie aus verschiedensten Gründen nicht mehr halten können.

Was bei manchen Tierheimen ehrenamtlich machbar ist - das stundenweise Ausführen von Hunden - wird hier auf eine neue Basis gestellt. Zur Rösemeiers Dienstleistung gehören Futter, Urlaubsbetreuung sowie tierärztliche Pflege - und auch die Versicherung. „Die musste für dieses Geschäftsmodell erst entwickelt werden“, sagt die aus der Werbebranche kommende Jungunternehmerin. Rund 150 Euro kostet ihr Komplettangebot pro Monat für den Leihhund. Hinzu kommt eine einmalige Gebühr von mindestens 500 Euro, die abhängig ist vom Ausbildungsstand des Hundes. Die Hundesteuer ist dabei allerdings nicht inbegriffen.

Laute Haustiere können Probleme machen
Meerschweinchen:
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Die laut quiekenden Tiere in einer Zuchtanlage der Universität Münster raubten einer Anwohnerin den letzten Nerv. Das Verwaltungsgericht fand 2013 wie die Klägerin, dass zwei Meter Abstand von ihrer Grundstücksgrenze bis zu den Käfigen zu wenig sind und forderte den Umzug der Nager.

Papageien:
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Kreischende Papageien sind den Nachbarn nur zwei Stunden lang am Tag zumutbar, entschied 2009 das Landgericht Hannover. Ein Mann aus dem niedersächsischen Springe hatte gegen den Besitzer der Vögel geklagt, die in einer Außenvoliere „ohrenbetäubenden Lärm“ machten. Geräusche von Papageien sind etwas anderes als Geräusche einheimischer Vögel und müssten nur begrenzt geduldet werden.

Tauben:
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Richter verboten einem Mann aus Germersheim (Rheinland-Pfalz), mehrere Dutzend Brieftauben in einer Wohngegend zu halten. Die dortigen Bewohner hätten einen Anspruch darauf, von Störungen wie Lärm und Taubenkot freigehalten zu werden, entschied 2012 das Verwaltungsgericht in Neustadt an der Weinstraße.

Hunde:
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Das Celler Amtsgericht untersagte 2002 einer Hundehalterin in Wietze (Niedersachsen) die Haltung von 15 Cockerspaniels. Damit wehrte sich ein Nachbar erfolgreich gegen das häufig kläffende Rudel in dem Wohngebiet. Die Frau darf jetzt nur noch drei Hunde halten und muss nachts sowie in der Mittagszeit für Ruhe sorgen.

Pferde:
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Wer Pferde im Ort hält, muss besondere Rücksicht auf die Nachbarn nehmen. Lautes Hufgeklapper und Mistgestank überschreiten nach einem Urteil des Landgerichts Nürnberg/Fürth von 1995 auch in ländlichen Regionen das Maß dessen, was ein „durchschnittlich sensibler Nachbar“ an Belästigungen hinnehmen muss.

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Hundebesitzerin muss für Feuerwehreinsatz 10.000 Euro zahlen

Die Besitzerin eines Terriers muss für die Rettung ihres Hundes aus einem Dachsbau 10.000 Euro an die Berliner Feuerwehr zahlen. Beide Seiten einigten sich am 12. November 2014 gütlich bei einer Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Berlin, wie ein Gerichtssprecher sagte. Ursprünglich hatte die Feuerwehr 13.000 Euro Gebühren erhoben - dagegen klagte die Hundebesitzerin. Der Terrier namens Skipper hatte sich nach Angaben des Gerichts im November 2012 mit seiner Leine in einem Dachsbau im Waldstück Tegeler Forst verfangen. Da er sich nicht selbst befreien konnte, rückte die Feuerwehr an. Erst nach acht Stunden Großeinsatz wurde das Tier befreit. Die Klägerin wandte sich vor Gericht gegen die Größe des Feuerwehreinsatzes, wie der Sprecher sagte. Sie erklärte demnach, der Aufwand sei „unverhältnismäßig“ gewesen. Die Feuerwehr habe auf ein Löschfahrzeug verzichten können.

Die Feuerwehr verteidigte demgegenüber ihr Vorgehen. „Einige Feuerwehrleute mussten schippen, andere das Erdreich wegschaffen. Wegen der Dunkelheit musste Licht im Wald aufgestellt werden“, erläuterte der Gerichtssprecher die Argumentation. Schließlich einigten sich beide Parteien vor Gericht darauf, die Kosten für ein Löschfahrzeug aus den Gebühren herauszunehmen. Diese werden nun aus dem Feuerwehretat gedeckt. Die Kosten für das Verfahren trägt zu zwei Dritteln die Klägerin, der Rest entfällt auf das Land Berlin.

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Generelle Verbotsklauseln sind nicht erlaubt

Vermieter dürfen nicht generell die Haltung von Hunden in Mietwohnungen verbieten. Derartige Klauseln in Mietverträgen stellen eine unangemessene Benachteiligung der Mieter dar und sind deshalb unwirksam, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem am Mittwoch verkündeten Urteil (Az.: VIII ZR 168/12). Die Richter gaben der Klage eines Mieters aus Gelsenkirchen statt. Er wollte in seiner Wohnung einen kleinen Mischlingshund halten, obwohl er nach dem Mietvertrag verpflichtet war, „keine Hunde und Katzen zu halten“. Eine solche allgemeine Verbotsklausel benachteilige den Mieter jedoch unangemessen, denn bei der Haltung eines Hundes oder einer Katze müsse auch Rücksicht auf besondere Fallgestaltungen und Interessenlagen genommen werden, so die Richter. Über eine Tierhaltung müsse im Einzelfall durch umfassende Interessenabwägung entschieden werden. Dazu gehören nicht nur die Interessen der Mietvertragsparteien sondern auch der anderen Hausbewohner und der Nachbarn. Die Unwirksamkeit einer generellen Klausel führe also nicht dazu, dass der Mieter Hunde oder Katzen ohne jegliche Rücksicht auf andere halten kann.

Für eine „logische Fortsetzung des Sharing-Grundgedankens“ hält das Gesellschaftsforscher Stephan Grünewald vom Kölner Rheingold- Institut - der dabei allerdings auch die individuelle Beziehung „vor die Hunde“ gehen sieht. „Wir erleben einen Paradigmenwechsel, bei dem der verantwortungsvolle Besitz in Verfügbarkeit ohne Konsequenzen umgewandelt wird“, sagt er; alles werde heute geteilt. Das Gefühl der kompletten Verfügungsgewalt bekomme aber spätestens dann einen Knacks, wenn der Leih-Dackel auch mit anderen Herrchen oder Frauchen Gassi gehe. Grünewald ist überzeugt: „Die psychologische Kehrseite des Ganzen ist die Austauschbarkeit.“

Nach Debatten mit Tierschützern spricht auch Rösemeier nicht mehr von Miethunden, sondern „Partnerhunden auf Zeit“. Über ihr Unternehmen BlueBello hat sie mittlerweile Kunden im ganzen Bundesgebiet: „Das reicht von Stuttgart übers Ruhrgebiet und geht bis ins tiefste Thüringen.“ Ein Stück Lebensqualität gegen die Einsamkeit im Alter sollen ihre Vierbeiner sein - aber ohne die bange Sorge, was mit Fifi im Falle eines längeren Krankenhausaufenthalts passiert.

Bei Besuchen von Seniorenmessen stieß sie auch auf Vorbehalte von Tierschützern, die sich wegen der vielen möglichen Besitzerwechsel sorgen. Das lässt die Jungunternehmerin aber so nicht gelten: „Besser können es Hunde kaum haben: die älteren Menschen haben viel Zeit für sie und stimmen sogar ihr Leben auf sie ab.“

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