„Shishas“ in Deutschland

Viel Qualm um wenig

Mit klangvollen Sorten wie „Blue Banana“ und „Lemon Chill“ sind Wasserpfeifen aktuell der Renner auf dem deutschen Tabakmarkt. Doch Konsumenten unterschätzen die Risiken. Die Politik steuert dagegen.
Orientalische Wasserpfeifen sind unter Jugendlichen beliebt. Von klassischen Tabakpfeifen spricht kaum noch jemand. Quelle: Imago
Wasserpfeifen in einer Shisha-Bar

Orientalische Wasserpfeifen sind unter Jugendlichen beliebt. Von klassischen Tabakpfeifen spricht kaum noch jemand.

(Foto: Imago)

DüsseldorfEinladend ist dieser Ort eher nicht: Von der Straße aus blickt man durch getönte Fensterscheiben in einen spärlich beleuchteten Raum. Die Tür ist viel zu klein für dieses recht große Gebäude. Doch bereits an der Türschwelle kriecht ein aromatischer und belebender Duft in die Nase. Die triste Außenfassade der Shisha-Bar ist vergessen.

Wasserpfeifen, im täglichen Sprachgebrauch auch oft als „Shishas“ bezeichnet, sind derzeit Trend. Mit orientalischen Geschmacksrichtungen wie „Grape and Raspberry“ oder „Lemon Chill“ mischen Shishas den Tabakmarkt ordentlich auf. Besonders bei Jugendlichen sind Wasserpfeifen enorm beliebt – sei es in den eigenen vier Wänden oder in einer der zahlreichen Shisha-Bars. Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge hat knapp ein Drittel der 12- bis 17-Jährigen bereits Wasserpfeife geraucht.

Der Tod raucht mit
Rauchverbot in NRW
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Gesundheitsrisiko Nummer eins: Jeder sechste der jährlich rund 850.000 Toten in Deutschland ist laut Statistik an den Folgen des Rauchens gestorben. Raucher verkürzen ihre durchschnittliche Lebenserwartung um fünf, ambitionierte Tabakkonsumenten sogar um neun Jahre.

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Rauchen begünstigt viele Krebsarten: Jeder, der raucht, hat ein zweimal höheres Risiko an Krebs zu erkranken als Nichtraucher. Etwa 90 bis 95 Prozent der erwachsenen Lungenkrebspatienten sind oder waren Raucher. Das Risiko, an Mundhöhlen-Krebs zu erkranken, steigt durch regelmäßigen Tabakkonsum um den Faktor 27, bei Kehlkopfkrebs um den Faktor 12.

Bluthochdruck weltweit größte Gesundheitsgefahr
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Schlaganfälle und Herzinfarkte verursachen die meisten Toten in Deutschland. Raucher trifft es besonders oft, Herzinfarkte vor dem 40. Lebensjahr betreffen fast ausschließlich Raucher. Ihr Risiko ist drei- bis viermal so hoch wie das von Nichtrauchern. Denn der Tabakkonsum verengt die Blutgefäße, lässt den Blutdruck steigen und schränkt die Leistungsfähigkeit des Herzens ein.

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Blauer Dunst: Der Rauch einer Zigarette enthält laut Weltgesundheitsorganisation mehr als 4000 chemische Stoffe. Mindestens 250 von ihnen gelten als schädlich, 50 können nachweislich eine Krebserkrankung begünstigen.

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Männer nehmen ein höheres Risiko der Impotenz in Kauf. Erbschäden in den Spermien rauchender Männer können direkt an die Nachkommen weitergegeben werden.

Rauchen
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Frauen erhöhen durch Nikotin-Konsum ihr Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Osteoporose oder Unfruchtbarkeit. Vor der Menopause versechsfacht sich das Risiko für Raucherinnen, an einem Herzinfarkt zu sterben.

Hebamme mit Säugling
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Rauchen in der Schwangerschaft:

Nikotin hemmt die Durchblutung der Plazenta, der Säugling wird schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Folgen sind ein oft geringeres Geburtsgewicht, eine erhöhte Gefahr des plötzlichen Kindstods sowie spätere Hyperaktivität und Lernschwierigkeiten des Kindes.

Seit acht Jahren arbeitet Pavlos als Barkeeper in solch einem Café. Es hat 2004 eröffnet und gehört somit zu den „Bars der ersten Stunde“. Die wachsende Popularität kann er daher beurteilen. „Die Pfeife wird mehr und mehr zur Kultur. Ähnlich wie der Ouzo in Griechenland.“

Doch diese Entwicklung, und das betont Pavlos mit erhobenem Zeigefinger, bereitet auch ihm Probleme. „Ich verliere Kunden, weil so viele Bars neu eröffnen. Und Masse ist nicht gleich Klasse. Die Qualität der Shishas ist sehr unterschiedlich“, sagt Pavlos.

Allerdings lässt sich kaum belegen, wie viele Shisha-Cafés es derzeit tatsächlich gibt. Für eine bundesweite Übersicht fehlt schlicht die einheitliche Regelung. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bedarf es grundsätzlich keiner gewerberechtlichen Genehmigung, sondern lediglich einer Gewerbeanzeige.

In manchen Bundesländern sei zudem eine Gewerbeerlaubnis – ähnlich einer Gaststättenerlaubnis – nötig. In vielen Ländern zählen Shisha-Cafés zur Gastronomiebranche und werden ohne gesonderten Fokus auf den Verkauf von Wasserpfeifentabak als „normale“ Bar gelistet.

Der Geschmack zählt
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