Shitstorm gegen United Airlines: Passagier wird gewaltsam aus überbuchtem Flieger gezerrt

Shitstorm gegen United Airlines
Passagier wird gewaltsam aus überbuchtem Flieger gezerrt

United Airlines lässt einen Passagier gewaltsam aus einem überbuchten Flieger zerren und löst einen Shitstorm aus. Das Video verbreitet sich viral. Es kommt zu weltweiten Boykottaufrufen unter dem Hashtag #boycottunited.
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New YorkMehr Tickets verkauft, als Plätze im Flieger sind? Diese beliebte Praxis des Überbuchen geht nicht immer auf. Vor allem nicht, wenn man bereits sitzende Fluggäste mit Polizeigewalt aus dem Flugzeug zerren lässt. Das ist bei der amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines auf ihrem Flug 3411 von Chicago nach Louisville passiert.

Ein Video, das andere Passagiere gedreht haben, zeigt, wie die Polizei den schreienden Mann aus dem Flieger zerrt und dabei verletzt. Innerhalb von wenigen Stunden beginnt ein Sturm mit Boykott-Aufrufen auf sozialen Medien wie Twitter, Facebook und Youtube.

Arthur Grabski etwa twittert unter dem Hashtag #boycottunited : „Der 1000-(Dollar)-Gutschein war nicht genug. Aber ich hoffe, er nimmt die zwei Millionen, wenn sie sie ihm vor Gericht anbieten.“

Der Mann war schließlich nicht wegen Fehlverhaltens oder aus Sicherheitsgründen aus dem Flieger geholt worden, sondern weil die Airline selbst seinen Platz mehrfach verkauft hatte. Der Betroffene soll ein Arzt gewesen sein. Sein Vergehen: Er soll sich geweigert haben, auszusteigen, weil er am Montag in Louisville zur Arbeit erscheinen musste.

„Nachdem unserer Team nach Freiwilligen gefragt hat, hat sich ein Kunde geweigert, das Flugzeug freiwillig zu verlassen und die Polizei wurde gebeten, zum Gate zu kommen“, versuchte United Airlines am Sonntag die Lage zu erklären. „Wir entschuldigen uns für die Situation der Überbuchung.“ Doch der Wirbel im Internet um das Geschehen auf dem Flug 3411 vom Sonntag nimmt weiter an Fahrt auf.

Am Montag legte der Vorstandsvorsitzende Oscar Munoz persönlich nach: Er entschuldigte sich, dass man die Kunden umverteilen musste. Den Fall des herausgezerrten Mannes untersuche man und versuche, die Angelegenheit mit ihm zu lösen.

Tatsächlich haben United-Mitarbeiter nach den eigenen Rechtlinien das Recht, einzelne Passagiere herauszuwerfen, wenn sie keine Freiwilligen finden. Die Auswahl richtet sich nach bezahltem Ticketpreis, Vielflieger-Status und Ankunft am Check-In. Gute Kunden werden also meistens verschont. Und dass Kunden herausgebeten werden, nachdem sie bereits im Flieger sitzen, ist mehr als ungewöhnlich.

Zudem kommt das Social-Media-Desaster nur zwei Wochen nachdem United Airlines schon einmal im Visier der Netz-Kritik stand. Damals hatte die Airline zwei Teenagern den Zugang zum Flieger verboten, weil sie Leggings anhatten. Sie mussten sich umziehen. Damals begründete die Airline das damit, dass es sich um Passagiere gehandelt habe, die als Angehörige von Mitarbeitern reduzierte Preise zahlten, sich aber dafür an den Dress-Code halten müssten.

Damit hat die Fluggesellschaft die Kritiker zumindest teilweise beschwichtigen können. Bei dem jüngsten Fall beim Flug 3411 dürfte ihnen das schwerer fallen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Shitstorm gegen United Airlines: Passagier wird gewaltsam aus überbuchtem Flieger gezerrt"

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  • @Herr Piet Vrolijk 11.04.2017, 09:01 Uhr

    Diese Meldung hat wohl weniger mit "Wirtschaft" (wie ich es verstehen würde) zu tun.
    Oder hat "Giftspritze in den USA" oder "Fitness und Ernährungstipps" etwas mit Wirtschaft zu tun?

    Es geht doch eher um einen Boykottaufruf.
    Einen schönen Artikel zu dem Thema hier: https://www.tichyseinblick.de/tichys-einblick/politisch-korrekter-konsum/

    Gerade auch im Zuge der Brexit-Abstimmung und der US-Wahl (um bei aktuelleren Ereignissen zu bleiben) wurde wohl kaum unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten berichtet. Und gerade bei einer Wirschaftszeitung würde ich mir mehr kritische Berichterstattung zu Themen wie "Energiewende", "€uro" oder "Griechenlandrettung" uvm. wünschen.

  • Ich bin vor vielen Jahren von Düsseldorf in die USA geflogen. Als ich zu meinem Platz komme, sehe ich schon, dass die Nachbarin dort Kinderwindeln, Rasseln und andere Baby-Utensilien ausgebreitet hatte.
    Ich ging zur Stewardess. Die telefonierte mit ihren Kolleginnen und so konnte ich mich in die letzte Sitzreihe setzen, die eigentlich für das Bordpersonal reserviert war. Ich verstehe nicht, wie man für eine Frau mit Kind nur einen Sitzplatz reserviert.

  • Herr Grutte Pier - 11.04.2017, 08:13 Uhr
    Oh, einen guten Morgen an die Friesische Freiheitkämpfer!
    Wissen sie, dies ist eine Wirtschaftszeitung, und die berichtet in erste Linie über die Nachrichten aus die Wirtschaft. Und dann ist die Meldung schon wichtig. Vor allem wenn sie das nächste Mal eine Flug in den USA buchen dann werden sie überlegen ob sie wirklich mit United fliegen möchten.

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