Shopping-Clubs
Der Club der edlen Überschüsse

In Frankreich sind exklusive Shopping-Clubs im Internet schon lange ein Renner und auch in Deutschland wächst die Nachfrage nach günstiger Designerware. Besonders die Hersteller von Luxusgütern freuen sich über die neue Vertriebsform und das Geschäft mit den digitalen Outlet-Centern.

PARIS. Rocker. Das ist das Wort, das beim Anblick von Jacques-Antoine Granjon in den Sinn kommt: Rocker. Weil er so lange Haare hat. Unrasiert und leicht gebeugt dasitzt. Und weil er mit Gesprächspartnern so kumpelig umgeht, als sei er gerade von einer Harley gestiegen, um einen Drink an der Theke zu nehmen.

So sieht einer aus, der das größte E-Commerce-Unternehmen Europas erschaffen hat. 2001 startete er mit Vente Privée das virtuelle Gegenstück zum Outlet-Center. Doch erst 2004 begann das Geschäft so richtig zu laufen. 2008 setzte Granjons Firma 510 Mio. Euro um, 46 Prozent mehr als im Vorjahr. Während das Heimatland Frankreich erobert ist, wendet Vente Privée nun zum verstärktes Interesse dem Markt zu, in dem das Geschäftsmodell gerade beginnt abzuheben: Deutschland.

Hier heizen seit dem vergangenen Jahr mehrere Online-Shopping Clubs das digitale Schnäppchenfieber an – Abkühlung derzeit nicht erkennbar. Weshalb der Geschäftsführer eines Outlet-Centers aus Beton und Stahl, der lieber ungenannt bleiben möchte, sagt: „Wir beobachten diesen Markt mit großer Sorge.“

Denn Clubs wie Vente Privée sind die Netz-Version jener Center. Das Prinzip: Die Online-Händler verkaufen Überschussware von Markenproduzenten mit Abschlägen zwischen 30 und 70 Prozent. Außerdem gibt es die Produkte nur für zwei bis drei Tage und nur für registrierte Kunden.

Drei Anbieter führen den deutschen Markt an. Als Platzhirsch sieht sich Brands4Friends. Nach eigenen Angaben bringt es die Beteiligung des Holtzbrinck-Konzerns (zu dem auch das Handelsblatt zählt) auf 1,7 Mio. Mitglieder und einen Umsatz von über 25 Mio. Euro im ersten vollen Geschäftsjahr 2008. „Wir liegen beim Umsatz auch in diesem Bereich“, beteuert Gerald Heydenreich, Mit-Gründer von Buy VIP, einer Bertelsmann-Tochter. Vente Privée-Gründer Granjon gibt 21 Mio. Euro Umsatz in Deutschland an und verrät die Handelsspanne: 30 Prozent.

Der neue Vertriebskanal für Überproduktionen und Restware aus alten Beständen freut die Hersteller. „Wir haben ausschließlich gute Erfahrungen gemacht“, heißt es bei Puma. Echte Nöte der Firmen sind es, bei denen Web-Clubs Linderung versprechen. Zum einen die Überproduktion: Der Handel verlangt deutlich höhere Liefermengen, als abgesetzt werden kann. Die überschüssige Ware aber muss der Produzent wieder zurücknehmen. Folge: Jahr für Jahr landet mehr Ware in den Outlet-Centern rund um den Globus.

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