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Lufthansa gerät in Kauflaune

Nachdem Lufthansa am Montag bei der belgischen Sabena-Nachfolgerin Brussels Airlines eingestiegen ist, fällt am Dienstag in Wien eine Vorentscheidung darüber, ob Deutschlands größte Fluggesellschaft demnächst auch bei der österreichischen Austrian Airlines das Sagen hat. Unterdessen haben Gerüchte über einen Einstieg von Lufthansa bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS neue Nahrung erhalten.

DÜSSELDORF/STOCKHOLM. Die staatliche österreichische Industrieholding ÖIAG und die mit der Abwicklung des Verkaufs beauftragte Investmentbank Merrill Lynch wollen die Endauswahl der potenziellen Interessenten - neben Lufthansa nach dem Ausstieg von British Airways offenbar nur noch Air France/KLM und die russische Fluggesellschaft S7 - treffen. Es geht um den Verkauf von knapp 75 Prozent, der Rest soll beim österreichischen Staat bleiben. ÖIAG kommentierte die Meldungen am Montag nicht.

Von der Netzabdeckung und der Größenordnung her brauche Lufthansa Engagements wie in Brüssel und Wien nicht, meint Luftfahrtexperte Markus Franke von der Beratungsfirma Oliver Wyman. Hier gehe es allein darum, sich im Wettbewerb unter anderem mit Air France/KLM Optionen offen zu halten. Analysten wie Uwe Weinreich (UBS) und Jürgen Pieper (Metzler) erwarten, dass der Markenname Brussels Airlines unter Lufthansa-Führung trotz gegenteiliger Ankündigung mittelfristig verschwinden werde. Sinnvoller sei es, Brüssel unter der Kranich-Marke ins Streckennetz einzubeziehen.

Unterdessen haben Gerüchte über einen Einstieg von Lufthansa bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS neue Nahrung erhalten. Die norwegische Regierung hat ihren bisherigen massiven Widerstand gegen den Verkauf ihres Anteils von 14,3 Prozent an SAS aufgegeben. Ministerin Sylvia Brustad erklärte jetzt, dass ihre Regierung ein eventuelles Übernahmeangebot "sorgfältig prüfen" würde. Es bestünde offenbar Bedarf an "Veränderungen" bei der Airline. Die staatliche dänische Beteiligung beträgt ebenfalls 14,3 Prozent, während Schweden 21,4 Prozent besitzt.

In Norwegen ist die Privatisierung von SAS umstritten, weil die Regierung befürchtet, dass viele Inlandsstrecken stillgelegt werden könnten. In Dänemark gibt es hingegen Signale, dass die mächtigen Gewerkschaften ihren Widerstand gegen einen Verkauf des dänischen Anteils aufgeben. "Wir können nur hoffen, dass ein neuer Eigentümer mehr für die SAS-Mitarbeiter machen will", sagte ein Gewerkschaftsvertreter. Die bürgerliche schwedische Regierung will sich einem Verkauf des SAS-Anteils nicht widersetzen. Analysten in Stockholm rechnen damit, dass ein SAS-Käufer rund 75 Kronen (7,83 Euro) für eine Aktie bezahlen muss. Damit würde die Fluggesellschaft mit 12,5 Mrd. Kronen bewertet werden. Die Aktie stieg am Montag wegen der Übernahmefantasie noch einmal um rund zehn Prozent und lag zwischenzeitlich bei 60 Kronen.

Während Lufthansa das Interesse an Austrian Airlines (AUA) offiziell bekundet hat, kommentierte das Unternehmen die Gerüchte einer SAS-Übernahme nicht. Die Gesellschaft befinde sich keinesfalls auf hektischer Einkaufstour, sagte Luftfahrtberater Franke. Sie verfolge die Möglichkeiten des Markts mit Gelassenheit und Geduld. "Wo sich die Chance dann bietet und die Rahmenbedingungen passen, greift Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber zu." Im Übrigen sei eine Übernahme der SAS nicht vergleichbar mit dem vollzogenen Erwerb von Swiss und einer möglichen Beteiligung an AUA. Anders als bei diesen Gesellschaften mit nur einem kleinen Heimatmarkt habe SAS viel in Skandinavien generiertes Verkehrsaufkommen. Da bestehe das Risiko, diesen Markt bei einer Übernahme teilweise zu verlieren.

Auch Analyst Weinreich äußerte sich eher abwartend: Lufthansa und SAS arbeiteten so intensiv zusammen, dass eine Übernahme kaum zusätzliche Synergien schaffen würde. Interessant sei allerdings die 20-Prozent-Beteiligung von SAS an der Airline British Midland. Lufthansa hat bereits einen Anteil von 30 Prozent und strebt nach Einschätzung von Branchenkreisen die Mehrheit an der britischen Fluglinie an - auch wegen Start- und Landrechte in London Heathrow.

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