Sicherheitsbranche in der Krise
Die Geld-Entsorger

Mit dem Betrug der der Firma Heros fing Anfang dieses Jahres die schwarze Serie in der Geldtransportbranche an. Seitdem erschüttern immer neue Skandale die Werttransporteure. Schuld tragen auch die Kunden. Doch für bessere Kontrollen fühlt sich niemand zuständig.

FRANKFURT. Wenn der Dienstag zum Montag wird und der Donnerstag zum Mittwoch, hat die Branche ein Problem, und Rolf Kroboth viel zu tun.

Denn dann fehlt Geld.

„Schieben“ heißt das im Jargon der Geldtransporteure, und das geht so: Montags holt der Geldbote die Einnahmen eines Supermarkts ab, zählt, zahlt aber nicht bei der Bundesbank ein. Dienstags holt er wieder Geld, zählt, zahlt diesmal ein, deklariert es aber als Geld vom Montag. Mittwochs holt er wieder Geld, zahlt es ein und nennt es „Dienstag“.

„Stockt der Geldfluss, bricht das System zusammen“, sagt Kroboth. Mit 200 Sachen braust der Mann mit dem Schnäuzer im Audi durch den Morgen – zur Routineprüfung nach Aschaffenburg zur IWS, einem kleinen Regionalanbieter mit nur zwölf Panzerwagen, aber untadeligem Ruf.

Seit 20 Jahren durchleuchtet Kroboth im Auftrag von Versicherungen Geldtransportunternehmen. Die Firmen müssen die transportierten Gelder ihrer Kunden versichern. Findet Kroboth Probleme, gibt es keine Police. Und zu finden gab es viel in letzter Zeit (siehe: Chronologie). Kroboth ist derzeit ein gefragter Mann, nur eine Hand voll Spezialisten kennt die Tricks der Branche, die so viel Schlagzeilen machte.

Heros, Arnolds, GWS und Laserich: vier Fälle von Untreue und Unterschlagung in nur sechs Monaten; bisheriger Schaden der Schiebereien: eine halbe Milliarde Euro. Und bis Jahresende wird es noch zwei oder drei neue Skandalfälle geben, schätzen Branchenkenner.

Seit Jahren kämpft die Branche ums Überleben, gegen Dumpingpreise und mangelnde Kontrollen. Und so mochte niemand Mitte Oktober die milde Herbstsonne genießen, als sich zwei Dutzend Experten aus Handel, Banken und Versicherern mit den Vertretern der Branche trafen, das Ziel: Vertrauensbildung. Handel und Banken machten Druck beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. Rewe plant eine eigene Transportfirma, einige Banken ebenfalls. Der Rest des Handels will mit Transporteuren und Banken neue Sicherheitsvorschriften entwickeln.

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