Sicherheitslage wird überprüft
Tourismusbranche reagiert gelassen

Die großen deutschen Tourismuskonzerne haben auf die Anschläge in Istanbul mit kostenlosen Umbuchungsangeboten reagiert. Die Fluggesellschaften änderten ihre Flugpläne bisher nicht.

HB HANNOVER. Die Veranstalter gaben sich am Donnerstag aber demonstrativ gelassen und bestritten die Gefahr nachhaltig negativer Auswirkungen auf ihr Türkei-Geschäft - einem sehr beliebten Reiseziel der Deutschen. Fluggesellschaften sahen zunächst von Flugplanänderungen ab.

Bei den Bombenanschlägen auf britische Einrichtungen in Istanbul wurden Donnertag mindestens 25 Menschen getötet und rund 400 verletzt. Erst am Samstag waren zwei Synagogen Ziele von Anschlägen gewesen. An den europäischen Börsen verkauften Anleger besonders Touristik- und Luftfahrtaktien. Denn die Reisebranche hat sich nach den Flugzeug-Anschlägen im September 2001 in den USA wiederholt als sehr anfällig erwiesen.

„Wir rechnen nicht mit nachhaltigen Auswirkungen“, sagte aber Tui-Sprecher Mario Köpers. Istanbul sei für Europas größten Reisekonzern nur für einen sehr geringen Teil von Türkei-Urlaubern ein Reiseziel. Nur knapp ein Prozent der rund eine Million Türkei-Urlauber des Tui-Konzerns hätten im vorigen Jahr Istanbul besucht. Zudem mache die derzeit laufende Wintersaison nur zehn Prozent des Türkei-Geschäfts aus.

Ähnlich lauteten die Kommentare bei Konkurrenten wie Thomas Cook oder Rewe Touristik. Mit Tui hielten sich am Donnerstag lediglich sechs Urlauber in Istanbul auf, mit Thomas Cook zwei Dutzend, bei Rewe gut 30. Mit Türkei-Spezialist Öger-Tours sind dagegen nach Angaben von Unternehmenschef Vural Öger derzeit rund 700 Touristen in Istanbul unterwegs. Alle seien unversehrt. „Sie haben besonnen reagiert. Wir haben angeboten, alle nach Antalya zu fliegen. Die meisten wollten aber in Istanbul bleiben“, sagte Öger.

Kostenlose Umbuchung für Istanbul-Reisen angeboten

Die Reiseveranstalter zeigten nach den zweiten Anschlägen in Istanbul innerhalb weniger Tage kulant. Reisen nach Istanbul können nun bei den meisten Anbietern bis Jahresende kostenlos umgebucht, bei Rewe auch kostenlos storniert werden.

Von weit reichenden Folgen für die Türkei als Reiseland mochte zunächst niemand etwas wissen. Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband verwies darauf, dass das Hauptreiseziel deutscher Türkei-Urlauber nicht Istanbul, sondern die 1000 Kilometer entfernten Strände an der türkischen Riveira seien. „Die Urlauber können damit umgehen. Die türkische Riveira ist von solchen terroristischen Bedrohungen nicht betroffen“, sagte DRV-Sprecher Christian Boergen. Die Türkei ist in den vergangenen fünf Jahren dank günstiger Preise und gutem Service zu einem der beliebtesten Urlaubsziele für Deutsche mit jährlich zuletzt mehr als 3,5 Millionen Urlaubern geworden.

An der Börse begründeten Experten die Flucht aus Aktien wie Tui und Lufthansa mit der Sorge, dass weitere Anschläge sich negativ auf die Sicherheitslage und das Verhalten von Urlaubs- und Fluggästen auswirken könnten. Dabei schöpfte die Reisebranche nach ihrer schwersten und längsten Krise gerade wieder etwas Mut, angesichts seit einigen Wochen kontinuierlich steigender Buchungszahlen. Ein erneuter Dämpfer der Reiselust durch eine Anschlagserie in einem Urlaubsland wie Türkei würde die Wachstumserwartungen für 2004 wieder trüben.

Airlines prüfen Sicherheitslage - Vorerst keine Änderungen

Fluggesellschaften wie die Deutsche Lufthansa und British Airways hielten an ihren Flugplänen in die türkische Handelsmetropole fest. „Wir beobachten die Situation sehr aufmerksam, haben aber bisher keine Änderungspläne“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. British Airways leitete nach den Worten einer Sprecherin wie immer nach ähnlichen Vorfällen umgehend eine telefonische Sicherheitskonferenz ein. Die täglich zwei Maschinen aus London nach Istanbul starteten aber planmäßig.

Lufthansa betonte, nach den ersten Anschlägen am Wochenende habe es keine negativen Auswirkungen auf die Fluggastzahlen gegeben. „Das sind sehr erfolgreiche Strecken. Wir haben bisher keine signifikanten Veränderungen der Buchungszahlen“, sagte der Lufthansa-Sprecher. Lufthansa fliegt wöchentlich 21 mal von Frankfurt und 14 mal von München aus nach Istanbul.

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