Sinkende Exporte und wachsende Auslandskonkurrenz setzen Weinbauern zu
Katerstimmung bei Frankreichs Winzern

Der französische Weinbau steckt in einer tiefen Krise. Die Hersteller beklagen teils dramatische Absatzrückgänge, was nicht nur daran liegt, dass die Franzosen selbst immer weniger Wein trinken. Den Anbietern aus der weltgrößten Weinbaunation macht auch die billigere Konkurrenz aus dem Ausland schwer zu schaffen.

BORDEAUX. Vor allem Bordeaux-Wein hat wegen teils enormer Preissteigerungen den Ruf eines schlechten Preis-Leistungsverhältnisses bekommen. Das macht sich im Export bemerkbar, da außerhalb Frankreichs im Handel mehr Alternativen zu den durch Merlot- und Cabernet-Sauvignon-Reben dominierten Bordeaux-Weinen angeboten werden. Die Konkurrenten kommen aus Australien, Südafrika oder Chile, aber auch aus dem osteuropäischen Raum.

Allein der Exportabsatz der Weine aus Bordelais brach im vergangenen Jahr um 22,3 Prozent auf einen Wert von etwas über einer Mrd. Euro ein. Auch in Deutschland, einem wichtigen Exportmarkt, haben Franzosen im vorigen Jahr kräftig Federn lassen müssen. Doch Frankreich ist auf den Export angewiesen, denn anders als in Deutschland produziert Frankreich jedes Jahr 15 Mill. Hektoliter mehr Wein als im Inland getrunken wird.

Die Konkurrenz auf den internationalen Märkten dürfte noch zunehmen, denn weltweit wird immer mehr Wein produziert. Auf rund 260 Mill. Hektoliter ist die Weinproduktion inzwischen geklettert und das sind 30 Mill. Hektoliter mehr als getrunken wird.

Von einer globalen Wendekreis will Robert Beyant, Geschäftsführer der weltgrößten Weinmesse Vinexpo, nichts wissen. „Die Überproduktion ist hauptsächlich ein Problem der Länder Frankreich, Australien und Kalifornien“, sagte Beyant zu Beginn der Vinexpo, auf der sich in Bordeaux bis Ende dieser Woche Tausende Erzeuger und Einkäufer treffen. Die Krise der großen Anbauländer belastet dennoch die gesamte Weinwirtschaft. Denn die Überproduktion drückt auf die Preise. Die Lager vieler Erzeuger und Händler sind bis unter den Rand gefüllt und drohen mit der nächsten Ernte im wahrsten Sinne des Wortes überzulaufen, wenn der überschüssige Wein nicht bis zum Herbst verschwindet.

Deshalb haben einige europäische Länder bei der EU-Verwaltung in Brüssel bereits im Frühjahr Anträge auf eine so genannte „Krisendestillation“ gestellt. Rund 700 Mill. Euro lässt sich die EU die Weiterverarbeitung von Weinüberschüssen zu Industriealkohol pro Jahr kosten. Ein Agrarprodukt, dessen Anbau die EU vorher mit rund 500 Mill. Euro gefördert hat.

„Neu ist allerdings, dass in diesem Jahr möglicherweise auch Qualitätsweine zur Destillation kommen werden“, sagt Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes. In Brüssel werde erwogen, den daraus gewonnenen Alkohol als Biotreibstoff Benzin oder Dieselkraftstoff beizumischen. „In Deutschland wird es aber nicht zu Notdestillationen kommen“, glaubt Weber. Denn die deutschen Erzeuger profitieren von einer recht stabilen Nachfrage im Inland sowie einer steigenden Nachfrage vor allem nach Riesling im Ausland.

Die Erzeugerverbände in Frankreich entwickeln immer neue Ideen, wie die Produktion gesenkt werden kann. Im Anbaugebiet Bordeaux ist die Rodung von 10 000 Hektar Weinanbaufläche geplant – keine Kleinigkeit, den das entspräche etwa der gesamten Anbaufläche von Württemberg. Doch in Bordeaux selbst glaubt niemand, dass es soweit kommt. Viele Einwohner gehen vielmehr davon aus, dass Preise in den großen Einkaufszentren wie Carrefour weiter sinken werden.

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