Sinkende Umsätze, steigende Preise
Handel erwartet kräftigen Dämpfer im ersten Quartal

Der deutsche Einzelhandel steht vor einem schwierigen Jahr 2007. Der Einzelhandelsverband rechnet besonders im ersten Quartal mit sinkenden Umsätzen. Auf Preiserhöhungen will die Branche dennoch nicht verzichten.

HB BERLIN. In der bevorstehende Tarifrunde sieht der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) keinen Verteilungsspielraum. Angesichts längerer Öffnungszeiten sollen Abendzuschläge nach dem Willen der Arbeitgeber abgeschafft werden. Die Verbraucher müssen derweil mit steigenden Preisen rechnen, auch wenn es keinen „Preisschock“ zu Jahresbeginn geben soll. „2007 erleben wir die Kehrseite der Medaille“, sagte der HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr dem „Tagesspiegel“.

Für das abgelaufene Jahr rechnet der HDE früheren Angaben zufolge mit einem Umsatzplus von nominal 0,75 Prozent. Das bedeutet real für die Branche allerdings Stagnation. Für das erste Quartal 2007 erwartet der HDE dann zunächst einen kräftigen Dämpfer. „Wir hoffen, dass es danach wieder besser wird“, sagte Pellengahr. Für das Gesamtjahr 2007 geht der Handelsverband von einem nominalen Umsatzanstieg von einem halben bis einem Prozent aus. Real, also preisbereinigt, werde es voraussichtlich auf ein Minus von bis zu einem Prozent hinauslaufen, sagte Pellengahr.

Auf Preiserhöhungen will die Branche trotzdem nicht verzichten. „Spätestens ab Februar werden Preiserhöhungen unumgänglich sein.“ Der HDE geht davon aus, dass ein Drittel der Mehrwertsteuererhöhung über Preisaufschläge an die Kunden weitergegeben wird. Je ein weiteres Drittel würden die Lieferanten beziehungsweise der Handel tragen. HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel sagte dazu: „Wir als Einzelhändler schenken den Verbrauchern an jedem Verkaufstag 14 Millionen Euro.“ Weitere Gründe für Preiserhöhungen seien gestiegen Energie-, Transport und Logistikkosten sowie gestiegene Weltmarktpreise für einige landwirtschaftliche Produkte.

Zur bevorstehenden Tarifrunde 2007 sagte Wenzel der „Berliner Zeitung“: „Wir brauchen eine komplett neue Tarifstruktur. Und Zuschläge ab 18.30 Uhr sind ein Anachronismus.“ Die regionalen Einzelhandelsverbände haben bereits die Manteltarifverträge gekündigt, um die Zuschläge für den Verkauf in den Abendstunden ab 18.30 Uhr streichen zu können.

„Der Abend fängt nirgendwo um 18.30 Uhr an, sondern erst ab 22 Uhr oder später. Das steht auch so im Arbeitszeitgesetz“, sagte Wenzel mit Blick auf Regelungen in anderen Branchen. Er versicherte lediglich: „Keiner denkt daran, einer heute im Handel arbeitenden Verkäuferin das monatliche Grundgehalt zu kürzen.“ Im Einzelhandel gebe es im Gegensatz zu anderen Branchen kaum etwas zu verteilen, argumentierte der Verbandsvertreter weiter.

Der Sprecher des Handelsriesen Metro, Albrecht von Truchseß, betonte, die Anhebung der Mehrwertsteuer sei nur ein Faktor von mehreren, die auf den Verbrauchern lasteten. Hinzu käme zum Beispiel auch die Gesundheitsreform. Auch die vorgezogenen Käufe höherwertiger Güter zum Ende dieses Jahres hätten einen gewissen Effekt. „Es wird spannend, ob der Konjunkturschwung reicht, die Delle auszugleichen.“

Auch Konkurrent Karstadt-Quelle erwartet eine Kaufzurückhaltung zu Jahresbeginn, vor allem bei höherwertigen Konsumgütern. „Wir sind aber zuversichtlich, dass das Konsumklima langfristig besser sein wird“, sagte Konzern-Sprecher Jörg Howe dem „Tagesspiegel“.

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