Sinn eines Spitzengesprächs in Frage gestellt
Gewerkschaften fühlen sich von Lufthansa-Chef düpiert

Mit seinen jüngsten Äußerungen zu den Tarifgesprächen hat Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber heftige Reaktionen bei den Gewerkschaften ausgelöst.

FRANKFURT/M. Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warfen Mayrhuber am Dienstag vor, eine Tarifeinigung mit seinen Drohungen zu belasten. Mayrhuber hatte am Montag in Peking von „unseriösen“ Forderungen gesprochen und mit der Verlagerung von Fluggeschäft auf billigere Partner gedroht, falls die Gewerkschaften niedrigeren Personalkosten nicht zustimmen würden.

„Die Äußerungen des Lufthansa-Chefs sind für uns völlig unverständlich. Dies kann man nur als Absage an die bisher gelaufenen Tarifgespräche werten“, sagte VC-Sprecher Markus Kirschneck am Dienstag in Frankfurt. „Wir waren uns aus unserer Sicht inhaltlich bereits sehr nahe gekommen, wenn auch noch viele Details zu klären sind.“ Bei den Tarifgesprächen geht es um längere Flugzeiten und Veränderungen in der Gehaltsstruktur und eine mögliche Nullrunde für die gut 3.300 Lufthansa-Piloten im kommenden Jahr.

Nach diesen Äußerungen sei es fraglich, welchen Sinn ein Spitzengespräch machen solle, sagte der VC-Sprecher. Aus Verhandlungskreisen war bekannt geworden, dass Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer am Mittwoch dieser Woche mit der VC-Führung zusammentreffen will. Anschließend sollen Gespräche mit den Vertretern der Gewerkschaften für Boden- und Kabinenpersonal, Verdi und UFO folgen.

Die in Peking am Rande einer Veranstaltung geäußerte Kritik Mayrhubers richtete sich auch gegen die von der Vereinigung Cockpit geforderte Einbeziehung der Billigfluglinie Germanwings in die Tarifstruktur des Lufthansa-Konzerns. Germanwings ist eine Tochter der Lufthansa-Beteiligung Eurowings.

Die Pilotengewerkschaft will nach den Worten Kirschnecks sicherstellen, dass durch Verlagerung von Flugverkehr auf günstigere Fluglinien im Lufthansa-Konzern keine Arbeitsplätze für Piloten verloren gehen. VC fordert deshalb, dass zusätzliche Maschinen bei Germanwings mit Piloten aus dem Lufthansa-Konzern bestückt werden. „Natürlich zu den dort geltenden wettbewerbsfähigen und branchenspezifischen Tarifkonditionen“, sagte Kirschneck. „Das ist das einzige Zugeständnis, das wir Lufthansa abverlangen.“

Wie aus Kreisen der Verhandlungskommissionen verlautete, war seitens Lufthansa-Personalvorstand Lauer in den Tarifgesprächen anfangs signalisiert worden, dass man Germanwings in die Tarifstruktur des Konzerns miteinbeziehen könne. Dies sei aber bei Mayrhuber auf Ablehnung gestoßen.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte Mayrhubers öffentliche Drohungen als „unangemessen“ und sprach in einer Mitteilung von „Erpressung“. „Es wäre angebrachter den Beschäftigten endlich einmal Perspektiven aufzuzeigen, wie die Arbeitsplätze in allen Geschäftsfeldern gesichert werden können“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Jan Kahmann.

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