Skandinavische Fluggesellschaft
Spanair-Katastrophe weiterer Rückschlag für SAS

Neben der menschlichen Tragödie ist der Absturz der Spanair-Maschine auf dem Flughafen von Madrid ein weiteres Desaster für die SAS. Die im halbstaatlichen Besitz befindliche Fluggesellschaft kommt seit Jahren nicht aus den Turbulenzen heraus. Und die Tochter Spanair steht für einen guten Teil der Probleme.

STOCKHOLM. SAS-Chef Mats Jansson befand sich auf dem Weg von den olympischen Spielen zurück nach Skandinavien als er die tragische Botschaft vom Unglück einer Maschine der Tochtergesellschaft Spanair in Madrid erfuhr. Jansson, der die von Dänemark, Norwegen und Schweden betriebene Airline seit Anfang vergangenen Jahres leitet, setzte seinen Flug direkt nach Madrid fort, um sich vor Ort ein genaueres Bild von der Katastrophe machen zu können.

An der spanischen Airline ist die SAS seit rund zehn Jahren beteiligt, eine 100prozentige Tochter ist die Spanair jedoch erst seit einem Jahr. Zuvor hatte die SAS vergeblich versucht, Spaniens zweitgrößte Fluggesellschaft nach der Iberia zu verkaufen. Der erhoffte Verkaufspreis von rund vier Mrd. Kronen (426,3 Mill. Euro) konnte jedoch nicht erzielt werden. Daraufhin zog Jansson die Notbremse und strich die Spanair von seiner Verkaufsliste. Allerdings verschrieb er der verlustreichen Tochter eine Sanierungskur: Im vergangenen Monat gab Jansson bekannt, dass die Spanair rund 90 Mill. Euro einsparen müsse. Um das zu erreichen, will er Strecken streichen und Personal abbauen. Kurz vor der Katastrophe von Mmadrid kündigten die Spanair-Piloten einen Streik wegen des Sparprogrammms an.

Die spanische Airline war die einzige SAS-Tochter, die im zweiten Quartal dieses Jahres mit einem Minus von 197 Mill. Kronen einen Verlust auswies. Obwohl die SAS-Aktie nach dem Unglück in Madrid direkt um mehr als sechs Prozent fiel, glauben Analysten nicht, dass das Unglück langfristig negative Effekte auf die SAS hat. "Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass einzelne Unglücke das Vertrauen in eine Fluggesellschaft nicht gravierend beschädigen", sagte Flug-Analyst Anders Lidman in Stockholm und betonte, dass Fluggesellschaft eventuelle negative wirtschaftliche Effekte durch Versicherungen abgefedert hätten.

Es ist die zweite schwere Krise der skandinavischen Fluggesellschaft binnen eines Jahres. 2007 musste Jansson fast zehn Prozent seiner gesamten Flotte stilllegen, nachdem sich innerhalb von zwei Wochen drei schwere Zwischenfälle mit Turboprop-Maschinen vom Typ Dash Q 8-400 ereigent hatten. Alle 27 Flugzeuge des Typs wurden für immer außer Dienst gestellt. Mittlerweile hat sich der Hersteller, die kanadische Bombardier, bereit erklärt, bei einer Neubestellung von Flugzeugen der SAS einen Schadensersatz-Rabatt von rund einer Mrd. Krone zu gewähren. Doch die neuen Maschinen werden erst in frühestens einem Jahr geliefert, bis dahin muss die SAS Flugzeuge anderer Gesellschaften leasen. Die Gesamtkosten für die Dash8/Q 400-Havarie belaufen sich auf etwa 700 Mill. Kronen. Die Airline leidet wie alle Konkurrenten unter den hohen Treibstoffpreisen und der Konkurrenz durch Billigfluggesellschaften wie Ryanair.

Darüberhinaus hat aber auch die komplizierte Eignerstruktur mit drei Staaten, die zusammen ungefähr die Hälfte an der SAS halten, zu Problemen geführt. So müssen beispielsweise bei Tarifverhandlungen Einigung mit 39 Gewerkschaften in den drei Ländern erzielt werden. In den vergangenen Jahren wurde die SAS immer wieder bestreikt. Allein im vvergangenen Jahr kosteten umfassende Streikaktionen des dänischen Personals die SAS rund 200 Mill. Kronen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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