Skandinavisches Private-Equity-Haus setzt auf den deutschen Markt
Finanzinvestor EQT nimmt frische Milliarden zur Hand

Angesichts magerer Renditen an den Anleihemärkten und unsicherer Perspektiven bei Aktien sitzt das Geld für außerbörsliches Beteiligungskapital („Private Equity“) wieder lockerer. In wenigen Monaten hat die skandinavische EQT-Gruppe, hinter der die schwedische Wallenberg-Familie steht, für ihren jüngsten Fonds 2,5 Mrd. Euro eingesammelt.

FRANKFURT/M. „Es gibt immer mehr institutionelle Investoren, wie etwa die Allianz und die Hypo-Vereinsbank, aber auch wohlhabende Familien, die uns in Deutschland ihr Geld anvertrauen“, sagt Bjorn Hoi Jensen, Leiter des Münchner Büros von EQT.

Das Private-Equity-Haus gehört zu den wenigen europäischen Spielern im Markt, die es mit den angelsächsischen Milliardenfonds aufnehmen können. Bevorzugt werden Mehrheitsbeteiligungen an Mittelständlern, die erfolgreich Nischen besetzt und eine globale Perspektive haben. Bestes Beispiel ist der Duft- und Geschmacksstoffproduzent Symrise, der aus der Zusammenlegung zweier Vorgängerunternehmen entstanden ist und weltweit zu den Schwergewichten seiner Branche zählt. Jensen kann sich vorstellen, das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren an die Börse zu bringen. Ein weiteres Portfoliounternehmen, der Kfz-Dachboxenhersteller Thule, könne sogar noch dieses Jahr den Kurszettel bereichern.

EQT hält seine Beteiligungen im Schnitt drei bis fünf Jahre. In dieser Zeit versucht der Finanzinvestor, durch Restrukturierungen, Erweiterungsinvestitionen oder kleinere Firmenzukäufe den Unternehmenswert zu steigern. Dabei greift er auf ein umfangreiches Netzwerk von Experten aus der Industrie zurück, darunter befinden sich ehemalige und aktive Manager von ABB, Bosch, Unilever und Daimler-Chrysler. Über diese Kontakte erfahren die Beteiligungsmanager auch, wenn ein Unternehmen zum Verkauf steht. Von Auktionen, bei denen die Investmentbanken bis zu 30 Finanzinvestoren einladen, hält Jensen wenig, die Preise würden meist künstlich nach oben getrieben. „Am liebsten investieren wir zwischen 100 Mill. bis 300 Mill. Eigenkapital, die Obergrenze verläuft üblicherweise bei 500 Mill. Euro“, beschreibt Jensen den Rahmen der Engagements. Zusammen mit Fremdkapital sind so Transaktion bis rund 1,5 Mrd. Euro möglich. Im deutschen Markt erwarten die EQT-Teams ein, vielleicht auch zwei Investments bis zum Ende des Jahres.

Zu den Wettbewerbern von EQT zählen vor allem die Fonds aus Großbritannien und den USA, die schon über Erfahrungen im deutschsprachigen Markt verfügen. Dazu gehören etwa Carlyle, Montagu, Bain und KKR, aber auch die PrivateEquity-Abteilungen der Investmentbanken Goldman Sachs und JP Morgan. Allerdings nimmt auch der Wettbewerbsdruck durch die so genannten strategischen Investoren zu, stellt Karsten Hollasch, Partner im Bereich Global Transaction Services bei der Beratungsgesellschaft Deloitte, fest. Mit strategischen Investoren sind hier Industrie- und Diensleistungskonzerne gemeint, die Firmen aufkaufen, um ihre Marktposition zu stärken. „Die ultimative Konsequenz ist eine zunehmende Gefahr, Deals nur noch auf einem sehr hohen Preisniveau durchführen zu können. Von Goldgräberstimmung ist daher in den kommenden Monaten eher nicht auszugehen“, so Hollasch weiter.

EQT-Manager Jensen bleibt aber zuversichtlich: „Deutschland ist für uns ein wichtiger Markt. Ich kann mir vorstellen, dass hier aus dem neuen Fonds rund ein Drittel des Eigenkapitals investiert wird.“

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