SNCF-Chefin Idrac im Interview
„Wir reden über Kooperationen“

Anne-Marie Idrac, die Chefin der französischen Staatsbahn SNCF, will die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn ausbauen. Wie sich die Französin die Zusammenarbeit vorstellt, sagte sie dem Handelsblatt im Interview. Die Fragen stellte Holger Alich:

Seit Sonntag ist die neue Schnellbahntrasse nach Deutschland in Betrieb, und zum ersten Mal rollen ICEs der Deutschen Bahn nach Paris. Ist die Deutsche Bahn für Sie eher Partner oder Wettbewerber?

Beide Unternehmen sind Partner mit einem gemeinsamen Ziel: den Personenverkehr auf der Schiene zu entwickeln. SNCF hat große Erfahrung mit solchen Partnerschaften etwa bei Thalys oder Eurostar. Die Deutsche Bahn ist nun unser Partner bei Alleo, der Kooperation für den Betrieb der Schnellbahntrasse zwischen Frankreich und Deutschland. Darüber hinaus ist die Bahn jüngst dem Verbund Railteam beigetreten. Hierbei wollen sieben Bahngesellschaften den Kunden bessere Anbindungen, klarere Tarifstrukturen und attraktivere Konditionen bieten. Die Hauptkonkurrenten von DB und SNFC sind schließlich Auto und Flugzeug.

Sind Sie selbst schon mal ICE gefahren?

Nein, ich freue mich aber darauf, dies bald tun zu können.

Ab dem Jahr 2010 soll aber der internationale Schienenverkehr für Passagiere dem Wettbewerb geöffnet werden. Werden dann aus Partnern Gegner?

Aus Sicht des Kunden haben Kooperationen heute den größten Nutzen. Das haben die vergangenen zwanzig Jahre gezeigt. Vor diesem Hintergrund freue ich mich, dass die Europäische Kommission sehr wohlwollend unsere Kooperationen betrachtet. Aber dies ist sicherlich nicht das Ende vom Lied. Heute ist der Markt für den Personenverkehr nicht für den Wettbewerb geöffnet. Wenn er es eines Tages sein wird, schauen wir, wo der größte Kundennutzen liegt.

Wollen Sie denn nach der Marktöffnung Ihr internationales Streckenangebot weiter ausbauen?

Es gibt derzeit keine konkreten Pläne, aber wir verfolgen gewiss eine Logik der Entwicklung. Wir haben wenig Schulden: rund fünf Milliarden Euro. Unser Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital liegt damit unter dem Faktor eins. Dank der guten Ergebnisse des TGV verzeichnen wir zufrieden stellende Gewinne. Wir haben also die Mittel, um uns zu entwickeln. Und im Personen-Nahverkehr sind wir schon im Ausland aktiv, etwa in Großbritannien und in Deutschland mit unserer Tochter Keolis.

Wären Sie für eine Öffnung des Inlandsverkehrs für den Wettbewerb?

Derzeit gibt es dafür keine Pläne in der EU-Kommission. Ich halte es aber für normal, dass eines Tages auch dieser Markt für den Wettbewerb geöffnet wird.

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