Sonderangebot zu schnell vergriffen
Verbraucherzentralen verklagen Lidl

Die zweitgrößte deutsche Discounterkette Lidl hat sich wegen Lockvogel-Werbung eine Klage vom Bundesverband der Verbraucherzentralen eingehandelt. Dabei geht es um ein Sonderangebot für eine Digitalkamera, die in vielen Filialen bereits nach wenigen Minuten vergriffen war. Ähnlicher Ärger könnte auch der Supermarkt-Kette Penny drohen.

HB BERLIN. Lidl hat bereits Ärger wegen des Verkaufs von rund einer Million Billig- Tickets der Bahn, die ebenfalls nur kurze Zeit vorrätig waren. Die Verbraucherzentralen verwiesen darauf, dass Sonderangebote nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) normalerweise mindestens zwei Tage gelten müssen. Die Digitalkamera für 199 Euro,war jedcoh bundesweit bereits nach wenigen Minuten nicht mehr vorrätig.

„Von einem Unternehmen wie Lidl müssen Verbraucher erwarten können, dass sie die Nachfrage richtig kalkulieren“, sagte Verbraucherzentralen-Chefin Edda Müller. Die Klage gegen die Lidl Dienstleistung GmbH wurde vor dem Landgericht Heilbronn eingereicht. Von dem Konzern war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Ungeachtet derartiger Probleme setzten immer mehr Discounter auf attraktive Lockangebote. Nach dem spektakulären Erfolg mit dem Bahn-Ticket-Verkauf zieht der erste Billigflieger nach: In den Filialen der Supermarkt-Kette Penny locken an diesem Donnerstag 100 000 Ticket-Gutscheine der Fluggesellschaft Air Berlin. Der Preis: 29 Euro inklusive Steuern, Gebühren und Kerosinzuschlag. Im Unterschied zu den Blanko-Tickets der Bahn gelten allerdings eine Reihe von Einschränkungen. Die Konkurrenz beobachtet den Ausgang des Experiments dennoch sehr genau.

Im Ringen um die Kunden waren die Billigflieger schon bisher um keinen Werbegag verlegen - ob Flüge zum Nulltarif oder Sonder- Angebote zum Muttertag. Auch Überlegungen für den Ticket-Verkauf an der Supermarktkasse gab es in der Branche schon. Nur war die Bahn damit schneller. „Die Idee hätte von uns sein können“, sagt Germanwings-Geschäftsführer Joachim Klein. Denn zwischen den Lebensmittelregalen sind neue Kunden zu erreichen, die selten oder gar nicht ins Flugzeug steigen.

Nach dem Erfolg der Bahn bei Lidl erwarten nun alle, dass auch die Air-Berlin-Gutscheine bei Penny bald vergriffen sein werden - zumal es pro Filiale im Durchschnitt gerade mal 50 Tickets gibt. Im Unterschied zur Aktion der Schienen-Konkurrenz ist das Angebot von vornherein auf einen einzigen Tag begrenzt. Außerdem sind zu denselben Konditionen am Donnerstag noch jeweils 100 000 Tickets in Reisebüros und im Internet zu haben.

Auch deshalb dürften die ganz langen Schlangen in den bundesweit mehr als 2000 Penny-Filialen wohl ausbleiben. Zudem gilt es vor dem Kauf der 29-Euro-Gutscheine einiges zu beachten: Sie gelten nicht für alle Air-Berlin-Routen, sondern nur für neun europäische Städteverbindungen. Außerdem können damit nur Flüge gebucht werden, die ohnehin nicht mehr als 79 Euro kosten. Und schließlich muss der Reisetermin zwischen dem 1. November und 18. Dezember liegen - eine Zeit, in der die Maschinen eher schwach ausgelastet sind.

Bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft (2004: zwölf Millionen Passagiere, eine Milliarde Euro Umsatz) spricht man denn auch offen von einer „Marketingmaßnahme“, um neue Kunden zu gewinnen. Der Gang zum Discounter soll eine Ausnahme bleiben. „Eine solche Aktion kann man von Zeit zu Zeit wiederholen“, sagt Air- Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel. „Aber wir werden sicherlich nicht dauerhaft Flüge im Supermarkt verkaufen.“

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