Sonderausschüttung
Finanzinvestor bedient sich bei Tank & Rast

Damit sich der Finanzinvestor Terra Firma eine Sonderausschüttung genehmigen kann, treibt er den von ihm gekauften Autobahn-Raststätten-Betreiber Tank & Rast offenbar noch tiefer in die Schulden. Medienberichten zufolge findet das britische Private-Equity-Unternehmen, dass Tank & Rast den Aderlass verkraften kann.

HB BONN. Die Nachrichtenagentur Reuters und die Financial Times Deutschland berichten am Mittwoch übereinstimmend, Terra Firma erhöhe die Tank & Rast-Schulden um ein Drittel und ermögliche so, dass ihm 400 Millionen Euro zuflössen. Angesichts des konstanten Liquiditätszuflusses habe Tank & Rast aber keine Probleme, die zusätzlichen Schulden zu bedienen. „Das Unternehmen entwickelt sich gut“, hieß es. Weder Terra Firma noch Tank & Rast wollten sich dazu äußern.

Nach Information der FTD hat Terra Firma mit der Sonderausschüttung bereits das Eineinhalb- bis Zweifache des eingesetzten Kapitals zurückerhalten. Der Finanzinvestor hält aber nach wie vor alle Anteile am Unternehmen. Die Briten hatten den Raststätten-Betreiber im November 2004 von einem Konsortium aus Apax, Allianz Capital Partners sowie Lufthansa übernommen. Finanzkreisen zufolge hatten sie damals rund 1,1 Milliarden Euro gezahlt und so den angekündigten Börsengang von Tank & Rast verhindert. Die frühere Eigentümer-Gruppe hatte das Unternehmen 1998 vom Bund übernommen.

Auf Basis der FTD-Angaben dürfte Terra Firma beim Einstieg weniger als 300 Millionen Euro Eigenkapital aufgewendet haben - ein in der Branche übliches Verhältnis. Bei 75 bis 80 Prozent der Investitionssumme dürfte es sich um Kredite gehandelt haben, die umgehend Tank & Rast aufgebürdet wurden.

Rekapitalisierungen von Portfolio-Firmen werden häufig von Finanzinvestoren angewandt, sind aber umstritten. Sie bergen die Gefahr, dass ein Unternehmen unter der Schuldenlast in Schwierigkeiten gerät - vor allem, wenn sich überraschend die Geschäftsentwicklung verschlechtert. So hatte sich die Beteiligungsgesellschaft Carlyle beim Autozulieferer Edscha 2005 eine solche Sonderausschüttung genehmigt. Zusammen mit der schwachen Autokonjunktur führte dies dazu, dass das Unternehmen mit Problemen kämpft und nun Stellen in Deutschland streicht.

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