Sondereinflüsse prägen die Ertragsentwicklung
Karstadt-Quelle stabilisiert im zweiten Quartal sein Geschäft

Der Vorstandschef der Karstadt-Quelle AG, Wolfgang Urban, lässt bei seiner Prognose für 2003 Vorsicht walten: Er erwartet einen Umsatz auf Vorjahresniveau (15,8 Mrd. Euro) aber über der Marktentwicklung. Die Branche fürchtet einen Umsatzrückgang von einem Prozent. Das Ebta (Ergebnis vor Steuern und Firmenwertabschreibungen) soll von 238 auf 250 Mill Euro steigen. Impulse erhofft sich Urban schon in diesem Jahr von der geplante Steuerreform.

DÜSSELDORF. Das zweite Quartal hat dem Warenhaus- und Versandkonzern im stationären Geschäft eine kleine Verschnaufpause verschafft. Die 189 Warenhäuser verzeichneten einen Erlöszuwachs von 1,2 % auf 1,6 Mrd. Euro und profitierten damit vom Ostergeschäft, das in diesem Jahr ins zweite Quartal fiel. Das ist dem Zwischenbericht zu entnehmen. Die Karstadt-Quelle-Aktie reagierte gestern freundlich mit Zuwächsen von etwa 3 %.

Aber auch die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten seit 1. Juni auf 20 Uhr an Samstagen bringt vor allem den Flaggschiffen des Einzelhandels Vorteile. „Tendenziell sieht es so aus“, erklärt ein Karstadt-Sprecher vorsichtig, „als ob durch diese Verlängerung neue Kundenschichten gewonnen werden konnten“. Auch Mitbewerber Kaufhof registrierte eine Geschäftsbelebung. Bei Karstadt hat jede sechste Warenhausfiliale samstags bis 20 Uhr geöffnet, die übrigen haben die Öffnungszeiten zumeist auf 18 Uhr verlängert.

Da die Karstadt-Warenhäuser im ersten Quartal einen Erlösrückgang von 4,5 % verzeichneten, liegt die Sparte per Saldo im ersten Halbjahr jedoch immer noch um 1,8 % unter dem Umsatzniveau des Vorjahres (2,8 Mrd. Euro). Dabei, so erläutert Branchen-Analyst Joachim Bernsdorff, sei die Menge der verkauften Ware nicht weniger geworden, sondern die Kunden kauften einfach preisgünstiger ein. Ob die verlängerten Öffnungszeiten den Warenhäusern tatsächlich zusätzliche Impulse bringen, wird sich erst ab Oktober erweisen, wenn das wichtige Weihnachtsgeschäft anläuft.

Umsatzstagnation ist schon als Erfolg zu werten

Im gesamten stationären Einzelhandel – dazu zählen noch die Bekleidunghändler Wehmeyer und Sinn-Leffers, der Sportschuhanbieter Runners Point und der Tonträgeranbieter Wom – liegt der Karstadt-Konzern im ersten Halbjahr mit 3,2 Mrd. Euro immer noch um 3,1 % unter Vorjahresniveau (3,3 Mrd. Euro).

Im Versandhandel, der im Wesentlichen von den Kernmarken Quelle und Neckermann getragen wird, ist die Umsatzstagnation bei 1,97 Mrd. Euro im zweiten Quartal als Erfolg zu werten. Denn damit konnten die Karstadt-Töchter das hohe Vorjahresniveau halten, das in diesem Zeitraum maßgeblich durch den Jubiläumsverkauf der Tochter Quelle geprägt wurde. Im zweiten Quartal 2002 legte die Sparte immerhin im 8,9 % zu. Im ersten Halbjahr ergibt sich für die Versandsparte damit ein erfreuliches Plus von 1,5 %.

Den Erfolg der Sparte führt Analyst Bernsdorff darauf zurück, dass der Versand „in der Discount-Ecke steht“. In der aktuellen Konsumflaute verzeichnen primär die diskontierenden Vertriebstypen Zuwachsraten. Zudem konnten sich die Versender aus der „Teuro“-Diskussion des Vorjahres heraushalten, da sie mit ihren Katalogen bereits Monate vor der Euro-Einführung am 1. Januar 2002 auf dem Markt waren.

Wichtig ist das Versandgeschäft für den Karstadt-Quelle-Konzern, der seinen Geschäftsschwerpunkt immer noch im konjunkturschwachen Deutschland hat, durch seine Auslandsstrategie. Vor allem durch die Expansion in Mittel- und Osteuropa – hier hat Quelle traditionell seine Stärken – erzielt die Sparte inzwischen 24,5 % ihrer Erlöse außerhalb der deutschen Grenzen.

Ertragsentwicklung geprägt von Hebung stiller Reserven

Die Tourismus-Sparte, vor wenigen Jahren noch der Hoffnungsträger des Essener Handelskonzerns, litt im zweiten touristischen Quartal (von Februar bis April) unter den Auswirkungen des Irak-Krieges und der Lungenseuche Sars. Der Umsatz der Tochter Thomas Cook, an der Karstadt-Quelle und die Lufthansa AG paritätisch beteiligt sind, ging um 19 % zurück. Im ersten Halbjahr blieben die Erlöse mit 2,4 Mrd. Euro per Saldo um 8,3 % unter Vorjahresniveau.

Dass der Karstadt-Quelle-Konzern das erste Halbjahr mit 7,31 Mrd. Euro Umsatz auf Vorjahresniveau abschließen konnte, ist angesichts der schwierigen Konjunktur schon ein Erfolg. Die Ertragsentwicklung ist indessen stark von der Hebung stiller Reserven geprägt. So ist die Verbesserung des Ebta von minus 316 Mill. im ersten Halbjahr 2002 auf minus 97,3 Mill. Euro in diesem Jahr maßgeblich auf Sondereinflüsse zurückzuführen. Denn 199 Mill Euro entfallen auf die zweite und dritte Tranche des Programms zur Neuordnung der Altersversorgung. Hintergrund: Im Vorjahr hatte Karstadt-Quelle einen Pensionsfonds gegründet, auf den als Deckungsvermögen Anteile an Beteiligungsgesellschaften (Immobilien) zu Marktwerten übertragen werden. Der Fonds verwaltet das Kapital für die Rentenansprüche der Mitarbeiter. Bereinigt um diese Sondereffekte blieb eine Ergebnisverbesserung von 20 Mill. Euro, die das Unternehmen u.a. auf die Verbesserung der Rohertragsmarge (z.B. durch günstigere Einkaufspreise) zurückführt.

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