Sophia von Rundstedt
Aus dem Schatten des Vaters

Sophia von Rundstedt beerbt ihren Vater im Chefsessel der Firma Rundstedt HR Partners. Die 38-Jährige leitet damit den größten Outplacement-Anbieter. Sie übernimmt das Familienunternehmen aber in schwierigen Zeiten: Outplacement ist nicht mehr so gefragt, wie noch vor zehn Jahren.
  • 0

DÜSSELDORF. Zum Jahresende hat Sophia von Rundstedt besonders viel zu tun. Dann trennen sich viele Unternehmen noch schnell von ihren Mitarbeitern. Und genau um diese kümmert sich ihre Firma. Von Rundstedts Mitarbeiter helfen bei Neuorientierung und der Suche nach einem neuen Job - Outplacement nennt sich das. Zum Jahreswechsel steht auch für die 38-Jährige selbst ein beruflicher Neuanfang an: Von ihrem Vater Eberhard von Rundstedt übernimmt sie den Chefposten der Familienfirma Von Rundstedt HR Partners, dem Marktführer im Outplacement in Deutschland.

Vor 25 Jahren hatte der Vater aus der Not heraus das Unternehmen gegründet. Mit Mitte 40 verlor der Manager beim Papierkonzern Feldmühle seine Stelle und musste sich selbst beruflich neu orientieren. Das wurde sein Geschäftsmodell. Outplacement war in Deutschland nahezu unbekannt, heute hat die Beratung 320 Mitarbeiter. Dass Sophia einmal das Unternehmen übernimmt, war alles andere als vorgezeichnet. Die Firma sei für sie "nie eine echte Karriereoption" gewesen. Stattdessen strebte sie eine internationale Anwaltskarriere an. Doch der vermeintliche Traumjob bei einer US-Kanzlei in Berlin wurde ihr zu eintönig: "Ich wollte doch lieber mit Menschen als mit Paragrafen zu tun haben."

Vor acht Jahren fand sie dann im Familienbetrieb ihre Berufung, 2007 holte der Vater sie in die Geschäftsführung. An Selbstbewusstsein mangelt es ihr genauso wenig wie ihrem Vater. "Ich halte gerne die Zügel in der Hand", sagt die zweifache Mutter. Ihr früherer Chef Andreas Pochhammer, Partner bei White & Case, ist überzeugt: "Sie hat das Zeug, ein Unternehmen zu führen." Die Übergabe erfolgt zu einer schwierigen Zeit: Outplacement ist nicht mehr so gefragt und gut bezahlt wie vor zehn Jahren, als es die großen Entlassungswellen gab. Und wenn Fachkräfte im Aufschwung rar werden, engagieren Firmen seltener Trennungsberater. Zwei Wettbewerber mussten kürzlich einen Insolvenzantrag stellen.

2009 machte Outplacement noch knapp 60 Prozent des Umsatzes von 28 Millionen Euro aus. Doch die Familie investiert in zukunftsträchtige Felder wie Managerdiagnostik, Coaching und Karriereberatung. Sophia von Rundstedt sieht die USA als zukunftsweisend: "Dort ist ein persönlicher Karriereberater so selbstverständlich wie Eheberater oder Fitnesscoach." Die Tochter baut die Firma um, die bisher ganz auf den Vater ausgerichtet ist. Doch künftig bekommen die Führungskräfte mehr Verantwortung und setzt die neue Chefin auf eine gemeinschaftliche Führung mit der 45-jährigen Geschäftsführerin Heike Cohausz. Die Tochter holt sich auch externen Rat - zuletzt von einer Expertin für Familienunternehmen. Die riet auch räumlich zu einem klaren Schnitt. Der Vater übernimmt zwar den Vorsitz im neuen Beirat, doch sein Schreibtisch steht künftig in einer nahe gelegenen Kanzlei.

Kommentare zu " Sophia von Rundstedt: Aus dem Schatten des Vaters"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%