Sorge im Einzelhandel
Mindestlohn könnte Mittelstand im Osten gefährden

Bald soll er kommen, doch viele Details des Mindestlohns sind noch unklar. Mittelständler und Kleinbetriebe sind ob offener Fragen beunruhigt und machen ihrem Unmut Luft. Andrea Nahles setzt auf konstruktive Vorschläge.
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BerlinDer deutsche Einzelhandel rechnet mit negativen Folgen eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro für strukturschwache Regionen in Ostdeutschland. Für mittelständische, zumeist familiengeführte Einzelhändler stelle eine solche Lohnuntergrenze ein „besonders hohes Risiko“ dar, erklärte der Handelsverband Deutschland (HDE) in seiner Stellungnahme für den „Branchendialog“ des Arbeitsministeriums zum Mindestlohn, wie die Zeitung „Welt“ berichtete. Es sei zu befürchten, dass viele Kleinunternehmer ihre Geschäfte schließen müssten.

Der Anteil der Personalkosten am Gesamtumsatz sei im Einzelhandel hoch und liege bei 20 Prozent. „Verlierer des gesetzlichen Mindestlohns sind besonders die Unternehmen und Regionen, die eigentlich auf die volle Unterstützung der Politik angewiesen sind“, betonte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Auch der Arbeitgeberverband der Landwirtschaft GLFA warnte davor, dass kleinere Betriebe nach Einführung des Mindestlohns „wohl aufhören“ müssten . „Wenn der Lebensmittelhandel nicht die kostengerechte Bezahlung der Produkte übernimmt, dann wird Produktion aus Deutschland abwandern“, sagte GLFA-Geschäftsführer Burkhard Möller der „Welt“.

Kritik äußerte auch der Deutsche Taxi- und Mietwagenverbandes (BZP). „Jeder Handwerker kann die durch den Mindestlohn entstehenden Mehrkosten auf seine Preise aufschlagen, die Taxi-Unternehmer aber nicht“, sagte der BZP-Präsident Michael Müller der Zeitung. Die Taxi-Tarife werden von den Kommunen festgelegt, Anpassungen dauern bis zu zwei Jahre.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte betroffenen Branchen eine Diskussion darüber angeboten, welche Probleme sie bei der Umsetzung des Mindestlohns erwarten. Die Frist für die Stellungnahmen läuft am Freitag aus. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde soll 2015 in Kraft treten. Ungeklärt ist bislang, inwieweit es Ausnahmen geben soll.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sorge im Einzelhandel: Mindestlohn könnte Mittelstand im Osten gefährden"

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  • Und dieses Aufstocken vom Amt ist im Osten Gang und Gebe - es zahlt ja der Steuerzahler, also die arbeitenden Menschen! Gleichzeitig leben die Neuunternehmer in Sauss und Braus.

  • Ja, Minestlohn ist nur Show. Man sehe sich nur den Besitz und die Einkommen der Mittelständler im Osten an. Diese "Unternehmer" müssen mal lernen, dass man Geld für Arbeitskräfte zahlen muss! Es reicht nicht, als Chef Millionen zu scheffeln, man muß auch ein kleinwenig an die Mitarbeiter geben. Und diese Erkenntnis ist im Osten unbekannt.

    Wer das nicht glaubt, fahre mal rüber, sehe sich den Lebensstandart der Chefs an - und im krassen Gegensatz dazu die Verhältnisse der Mitarbeiter.

    Es wird höchste Zeit, dass solche Firmen von der Bildfäche verschwinden. Durch ihre Dumpinglöhne zerstörensie oft soldide Firmen, nicht nur im Osten. Und das auf Kosten der Mitarbeiter!

  • Richtig! Mindestlohn ist Käse. Die Arbeitnehmer sollen für 50 Cent arbeiten. Oder besser für lau. Willkommen
    in der modernen Sklaverei! Ist doch klasse, wenn ich
    als Unternehmer die Kohle in die eigene Tasche stecken kann, weil der Staat (Aufstocker) den Rest zahlt!

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