Sorge um Tradition
Ausverkauf in der Champagne

Noch herrschen in der Champagne die alten Winzer-Dynastien, doch in der historischen Weinregion um Reims und Epernay dreht sich zur Zeit alles um den Ausverkauf.

Jüngst umworbenes Objekt ist das 1760 gegründete Champagnerhaus Lanson in Reims. In den sieben Kilometer langen Kellern des drittgrößten Champagner-Herstellers lagern 53 Millionen Flaschen des prickelnden Getränks. Die sollen bald einem neuen Eigentümer gehören, und alles deutet darauf hin, dass es eine Investmentgesellschaft sein wird.

Die Champagner-Euphorie der vergangenen Jahre brachte der Branche Rekordabsätze – mehr als 300 Millionen Flaschen allein 2004. Doch bei Lanson stand im vergangenen Jahr unter dem Strich ein Verlust von zehn Mill. Euro, bei einem Umsatz von 220 Mill. Euro. Die Erben der Familie von François-Xavier Mora drücken hohe Schulden. Den Grund dafür sehen Analysten unter anderem der Strategie, das edle Getränk relativ preiswert anzubieten. Champagner sei ein Produkt, das vom Image lebt – von Luxus und Tradition.

Aber auch die Abhängigkeit von den Weinbauern der Region hat Lanson in Bedrängnis gebracht: Die Firma hat kaum eigene Rebflächen und muss die Trauben teuer einkaufen. Weil aber die Anbaufläche sehr begrenzt ist, sind die Preise gestiegen – von vier Euro pro Kilogramm im Jahr 2000 auf 4,50 Euro im vergangenen Jahr. Für eine Flasche Champagner braucht das Champagner-Haus 1,25 Kilogramm Trauben.

400 Mill. Euro Schulden stehen inzwischen in den Bilanzen von Lanson. 2004 übernahm die Caisse d’Epargne 44 Prozent des Kapitals von der Erbenfamilie, doch die Sparkasse will wieder verkaufen – und die Familie offenbar auch. Den Preis für das Gesamtpaket schätzen Marktbeobachter auf 120 Mill Euro. Doch wegen der hohen Schulden bezeichnen Pariser Analysten eine Übernahme als „kühne Wette“.

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