Sotheby’s und Co.
Sieg der „Old Economy“

Ehrliche Handarbeit ist von Amerika bis Asien nach wie vor gefragt und das künstlerisch Wertvolle ist sowieso zeitlos. Falls es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, dass Unternehmen der so genannten „Old Economy“ auf breiter Front zurück sind – hier ist er.

NEW YORK. IPod, „Web 2.0“ und „Triple-Play“ – alles jung und schön und gut. Wer aber glaubt, dass Computer und Internet das Maß aller Dinge sind, irrt gewaltig.

Das traditionsreiche Auktionshaus Sotheby’s, gegründet vor mehr als 260 Jahren, ist 2007 auf der Liste der „Hot Growth Companies“ des US-Magazins „Business Week“ gelandet. Die feine Firma, die im Vorjahr für Gustav Klimts „Goldene Adele“ den Rekordpreis von 135 Millionen Dollar erzielen konnte, mag zwar auf den ersten Blick verstaubt wirken. Namen wie Dynamic Materials, Ceradyne oder Meridian Bioscience klingen dagegen trendy und modern. Die Finanzzahlen von Sotheby’s lassen aber die Konkurrenz alt aussehen.

Der Umsatz stieg in den vergangenen drei Jahren jeweils um durchschnittlich 25 Prozent, der Gewinn um 31 Prozent, die Kapitalrendite um 20 Prozent. „Business Week“, das die 100 besten Wachstumsfirmen einmal jährlich aus dem Datenmaterial von 10 000 börsennotierten Unternehmen filtert, notiert Sotheby’s jetzt auf Platz 54 der Hitliste. Firmengründer Samuel Baker jedenfalls, der am 11. März 1744 die erste Auktion in London abhielt und einige hundert Bücher verkaufte, ist zu seinen Lebzeiten nicht annähernd so weit gekommen.

Sotheby’s ist beileibe kein Einzelfall aus der wieder erstarkten „Generation Spinnwebe“. Junge Technik-Freaks und Internet-Start-ups sowie modische Einjahresfliegen haben auf den vorderen Plätzen des Wachstums-Rankings Platz machen müssen. Das Bild von der überaus erfolgreichen Rückkehr der Dinosaurier wird durch rasant wachsende Energiefirmen und Bahn-Zulieferer komplettiert. Nicht zu vergessen Metallbieger wie die 155 Jahre alte Waffenschmiede Smith & Wesson und ein Stahlhändler namens A.M. Castle & Co., gegründet 1890. Annähernd ein Drittel der Firmen aus der „Business Week“-Liste ist mindestens 50 Jahre alt.

Zur Reife dieser Firmen gesellt sich geschäftliche Substanz. Sotheby’s kann zum Beispiel 716 Millionen Dollar Umsatz und fast 20 Prozent Kapitalrendite vorweisen. Allerdings besteht auch für die Vertreter der „Old Economy“ kein Anlass zum Übermut. Denn das Senioritätsprinzip allein ist keine Garantie. Die älteste Firma der Welt, der japanische Tempelbauer Kongo Gumi, wurde im Januar 2006 liquidiert – nach mehr als 1 400 Jahren im operativen Geschäft.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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