Sozialstandards sichern langfristig wirtschaftlichen Erfolg
C&A kontrolliert Textilfabriken selbst

Auf langen Produktionswegen kann viel passieren: Kinderarbeit, Prügelstrafe, Hungerlöhne. Seit 1996 wacht deshalb bei C&A eine betriebsinterne Kontrollorganisation über die Einhaltung von Sozialstandards bei den Lieferanten. Kritiker fordern allerdings eine externe Überwachung.

DÜSSELDORF. Klein und unschuldig baumelt die beige Kinderhose an einem Plastikbügel bei C&A. Größe 106, 100 Prozent Baumwolle, Maschinenwäsche bei 40 Grad verrät das Etikett am Innenbund. Einen Herkunftshinweis, ein „Made in“ gibt es nicht. Aus gutem Grund. Die Textilproduktion ist komplex, so komplex, dass sie die Eltern verunsichern könnte.

Der beige Baumwollstoff stammt aus Taiwan, die Konfektionierung auf Größe 106 erfolgte in Kambodscha, die Reißverschlüsse und die bunten Knöpfe kamen in Hongkong dran. In Hamburg-Norderstedt erhielt die Kinderhose für zehn Euro rund drei Monate nach Produktionsbeginn und 17 400 Kilometern Fahrt per Schiff ihren letzten Schliff.

Ein langer Produktionsweg, auf der viel passieren kann: Kinderarbeit, Prügelstrafe, Hungerlöhne – seit 1996 wacht bei C&A eine betriebsinterne Kontrollorganisation über die Einhaltung von Sozialstandards bei den Lieferanten. „Die Socam kontrolliert selbstständig und unabhängig die Arbeitsbedingungen bei den rund 1 150 Lieferanten“, sagt Frank Hoendervangers.

Der Niederländer dirigiert mit drei Mitarbeitern von Düsseldorf aus die 13-köpfige Einsatztruppe in Asien und Osteuropa. Alle Auditoren sind festangestellt, haben Erfahrung in der Textilbranche und stammen aus der jeweiligen Region. Unangemeldet tauchen sie in den Produktionsstätten der Zulieferer auf und überprüfen etwa, dass dort niemand arbeitet, der jünger als 14 Jahre ist, und dass die Löhne und Arbeitszeiten den örtlichen Tarifen und Gesetzen entsprechen. Zwischen zwei Stunden und einem Tag dauert eine solche Überprüfung.

„Auf unseren Einsätzen brauchen wir den schnellen Durchblick“, sagt Hoendervangers, der selbst seit 33 Jahren in der Textilbranche tätig ist. Bei C&A leitete er eine Einkaufsabteilung, die Qualitätskontrolle und arbeitete fünf Jahre in Hongkong. In dieser Zeit wurde die Produktionskette länger und komplexer. Stellten Modehäuser wie C&A oder der teurere Konkurrent Peek & Cloppenburg früher ihre Waren zum Teil noch selbst her, bezogen sie sie seit Ende der 70er von Zulieferern in Süd- und Osteuropa. Heute kommt das Gros aus Asien. „Irgendwann ließ uns das ungute Gefühl nicht mehr los, dass wir selbst nicht genau wissen, woher unsere Ware letztlich kommt“, sagt Hoendervangers.

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