Spanien und Italien
Autobahnbetreiber stimmen Fusion zu

Die größte Fusion unter europäischen Autobahnbetreibern ist beschlossen: Die Aktionäre der spanischen Abertis und der italienischen Autostrade haben dem geplanten Zusammenschluss auf ihren Hauptversammlungen in Rom und Madrid zugestimmt.

MAILAND/MADRID. Mit diesem Schritt könnte ein neuer Konzern mit einem Börsenwert von 24 Mrd. Euro und Sitz in Barcelona entstehen. Die Fusion ist aber erst dann unter Dach und Fach, wenn die Kommission der Europäischen Union und die bislang kritische italienische Regierung ihre Zustimmung geben.

Italiens Infrastrukturminister Antonio Di Pietro will von dem neuen Unternehmen möglichst viele Zusagen auf Investitionen in Italien erhalten. Er kritisiert, dass sich Autostrade nicht an die Verpflichtungen gehalten hat, die sie 1997 mit dem Erhalt der Konzession eingegangen ist. Damals hat die Benetton-Familie über ihre Holding die privatisierte italienische Autobahn übernommen und sich verpflichtet, mehrere Infrastruktur-Projekte in einem Wert von rund zehn Mrd. Euro anzugehen. Di Pietro wirft ihnen vor, dass noch Investitionen in Höhe von zwei Mrd. Euro fehlen. Autostrade dagegen beziffert die Lücke nur auf 850 Mill. Euro. Andere Mitglieder der italienischen Regierung machen sich angesichts der leeren Staatskassen gar für den Rückzug der Konzession an Autostrade stark. Beobachter rechnen damit, dass sich die Verhandlungen noch über Monate hinziehen.

Autostrade-Chef Giovanni Castelluci sagte, es würden keine Zugeständnisse an die Regierung gemacht, die die Bedingungen des vereinbarten Verkaufs substanziell änderten. Die beiden Firmen hatten sich im April auf ein Zusammengehen geeinigt. Der Präsident von Autostrade, Gian Maria Gros-Pietro, warnte davor, den Abschluss des Geschäfts weiter zu verzögern: „Der letzte Termin ist der 31. Dezember.“

Die Spanier beobachten die italienischen Wirren mit Besorgnis. Auf der Hauptversammlung von Abertis, waren 75 Prozent der Aktionäre präsent. Sie stimmten dem Fusionsprojekt fast einstimmig zu. Abertis-Präsident Isidre Fainé erkannte zwar an, dass der erste Schritt getan sei. Doch er rechnet damit, dass sich die Verhandlungen mit der italienischen Regierung bis November hinziehen werden. Der Vorstandsvorsitzende Salvador Alemany versicherte den Aktionären, dass er letztendlich mit einem guten Ende rechne, weil die italienischen Autobahnen nicht mit den spanischen im Wettbewerb ständen. Fainé stellte klar, dass die Struktur wie bisher bleibt. Derzeit hält von spanischer Seite der Baukonzern ACS mit 12,5 Prozent die meisten Anteile an dem neuen Unternehmen. Zudem kündigte Fainé an, dass die spanische Sparkasse La Caixa, wo er ebenfalls Generaldirektor ist, ihren Anteil von knapp zwölf Prozent an dem neuen Abertis-Konzern erhöhen will: „Wir halten den Sektor der gebührenpflichtigen Autobahnen für ein strategisch wichtiges Geschäft.“ Branchenexperten gehen davon aus, dass der neue Abertis-Konzern zwar mit zwei Präsidenten starten wird, die Spanier aber letztendlich die Gesamtkontrolle übernehmen werden.

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