Spanier kritisieren Fusionsgespräche
Iberia ärgert sich über British Airways

Die überraschende Ankündigung von British Airways, Fusionsverhandlungen mit der australischen Qantas aufzunehmen, kommt in Spanien nicht gut an. Die Führung von Iberia, die seit Ende Juli offiziell in Fusionsgesprächen mit British Airways steht, wurde nach eigenen Angaben erst in letzter Minute über die geplante Annäherung an Qantas informiert.

MADRID/LONDON. Bis zum Dienstag dieser Woche habe er keine Kenntnis zwischen den Verhandlungen zwischen British Airways (BA) und Qantas gehabt, erklärte Iberia-Chef Fernando Conte auf einer Konferenz in London. BA-Chef Willie Walsh habe ihn erst wenige Stunden vor der Veröffentlichung der Nachricht angerufen.

Er sei ein großer Anhänger der globalen Konsolidierung, sagte Conte weiter, allerdings sei eine Fusion zwischen Fluggesellschaften von verschiedenen Kontinenten sehr kompliziert. „Ich denke es ist vernünftiger, den Konsolidierungsprozess innerhalb jeder Region zu beginnen. Der nächste Schritt wäre dann die Integration zwischen den Kontinenten“, sagte Conte. Innerhalb Europas seien die Aufsichtsbestimmungen für eine Konsolidierung sehr viel liberaler als im Rest der Welt.

Eine Sprecherin von BA wollte sich am Donnerstag nicht zu der Rede Contes äußern. Aus Sicht von BA seien die Fusionen mit Iberia und Qantas komplementär und schlössen einander nicht aus, hatte George Stinnes, Finanzdirektor von BA, am Mittwoch in einer Telefonkonferenz gesagt. BA sei bereit, sowohl die Fusionen mit Iberia und mit Qantas als auch die angestrebte engere Allianz mit American Airline zu vollziehen. „Das ist sicherlich keine Entweder-Oder-Situation“, sagte Stinnes. Die Verhandlungen seien allerdings komplex, so dass es schwer sei, einen Zeitplan oder eine Abfolge aufzustellen.

Spanische Analysten glauben, dass BA durch die Ankündigung der Verhandlungen mit Qantas vor allem Druck auf Iberia ausüben will. „Das Problem von British Airways mit seinem Pensionsdefizit und der stark gefallene Börsenkurs von BA hatten Iberia zuletzt eine starke Verhandlungsposition gegeben“, meint Joaquín García Romanillos, Analyst von BPI in Madrid. Er ist wie Iberia-Chef Conte der Meinung, dass die logische Abfolge in den Fusionen zuerst BA und Iberia, dann Quantas oder American Airlines wäre. BA und Iberia sind gleichzeitig dabei, eine Allianz mit American Airlines für die interkontinentalen Flüge zu schmieden.

An Synergieeffekten dürfte Iberia für British Airways mehr bringen als Qantas, schreiben die Analysten von Citi. Mit den Australiern könnte BA schwerlich neue Synergien erzeugen, die nicht schon durch das existierende Joint Venture oder die Verbindungen im Oneworld Vielfliegerprogramm abgedeckt wären. „Wenn BA erst einmal mit Qantas fusioniert wäre, hätte es nicht mehr viel Möglichkeiten, seine Struktur in Europa zu verbessern“, warnt Romanillos von BPI. „In dem Falle würden sich die Verhandlungen mit Iberia bis 2010 verzögern, und Iberia könnte sich auf die Suche nach einem anderen Partner in Europa machen, wie etwa Lufthansa.“

Iberia-Chef Conte zeigte sich indes nach wie vor zuversichtlich, dass die Verhandlungen Iberias mit BA schnell zum Abschluss kommen. Er glaube, dass eine Einigung über die künftige Gewichtung der Aktionäre von BA und Iberia, derzeit der größte Knackpunkt der Fusion, innerhalb der nächsten 60 Tage gefunden werde, sagte Conte. BA-Chef Walsh hatte zuletzt erklärt, eine vernünftige Gewichtung im Zuge der Fusion seien 60 bis 65 Prozent für BA. Dies entspricht mehr oder weniger auch den Einschätzungen der Analysten. In Bezug auf den Börsenwert ist die Differenz zwischen den beiden Fluggesellschaften mittlerweile stark geschrumpft.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Dirk Hinrich Heilmann
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Handelsblatt / Chefökonom
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