Spanische Hotelkette Iberostar könnte Management der Konzerntochter übernehmen
Thomas Cook muss auch die Clubmarke Aldiana sanieren

Der Reisekonzern Thomas Cook (u.a. Condor, Neckermann) verabschiedet sich immer weiter von den Expansionsplänen seines früheren Managements. Nach dem Abbau von zehn Prozent der gut 5 000 Stellen in Deutschland räumte Vorstandschef Wolfgang Beeser erstmals offiziell „wirtschaftliche Probleme“ bei der Clubmarke Aldiana ein.

DÜSSELDORF. Auch die hoffnungsvollen Erwartungen des früheren Konzernchefs Stefan Pichler an Märkte wie Indien spielen unter Nachfolger Beeser keine Rolle mehr. Europas zweitgrößter Reisekonzern sieht seine Zukunft jetzt wieder in den mitteleuropäischen Kernmärkten.

Die Marke Aldiana kommt dabei auf den Prüfstand: „Im Veranstalterbereich wollen wir uns auf die Marken mit großen Volumina konzentrieren. Für unser deutsches Produktportfolio heißt das, einen neuen Weg für Aldiana zu finden“, sagte Beeser der Mitarbeiterzeitung „Connect“. Die Thomas-Cook-Premiummarke für gehobenen Cluburlaub leidet Branchenkennern zufolge seit Jahren unter ungünstigen Finanzierungsformen sowie einer zu schwachen Auslastung der Anlagen. Dennoch hatte Aldiana zuletzt kräftig expandiert, um den Abstand zum Marktführer Robinson Club zu verringern: Bis 2008 sollte Aldiana ursprünglich auf 20 Clubs mit 20 000 Betten aufgestockt werden. Mit seinen aktuell 13 Anlagen erzielt Thomas Cook laut Branchenschätzungen gut 120 Mill. Euro Umsatz.

Während die Robinson Clubs des deutschen Erzrivalen Tui seit vielen Jahren als sichere Gewinnquelle gelten, ist Thomas Cook mit seinem Club-Konzept gescheitert. Aldiana- Geschäftsführerin Petra Sikorsky wurde im Spätsommer nach nur zwei Jahren zu Thomas Cook Austria transferiert. Es seien jetzt viele Lösungen denkbar, sagte Beeser: „Die Liste reicht vom Gesundschrumpfen bis zur Kooperation mit einem Hotelpartner oder einem Finanzinvestor.“ Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, prüft Thomas Cook derzeit eine Abgabe der Aldiana-Geschäftsführung an die Hotelkette Iberostar. Die Spanier, an deren Gesellschaft Thomas Cook zu 40 Prozent beteiligt ist, könnten die Clubs künftig betreiben und dabei Synergien über ihre Hotelkette erzielen. Thomas Cook prüfe jedoch auch konkrete Verkaufsangebote, hieß es

.

Darüber hinaus hat der seit Jahresbeginn amtierende Beeser, der zu den erfahrensten deutschen Touristikern zählt, kein Interesse an den Übersee-Aktivitäten des Konzerns, etwa in Kanada, Indien oder Thailand. Diese waren zum Teil über die britische Tochter Thomas Cook UK ins Portfolio gekommen. Während Beeser-Vorgänger Pichler insbesondere auf den indischen Markt setzte, betonte der aktuelle Vorstandschef, Investitionen und „Aufmerksamkeit des Managements“ richteten sich künftig auf Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Belgien und die Niederlande. Dies müsse nicht einen Ausstieg aus solchen Märkten bedeuten. Denkbar sei bei allen „Randaktivitäten“, dass sie über Joint-Ventures oder Beteiligungen weiter betrieben würden.

Unter der Lupe stehen zudem die Vertriebsaktivitäten. „Wir können uns auf Dauer keine Vertriebsorganisation leisten, die Verluste macht“, sagte Beeser den Mitarbeitern. Die Zahl der Thomas- Cook-Reisebüros wurde bereits um 25 auf 190 gesenkt. Zugleich laufen quer durch den Konzern Kostensenkungsprogramme. Die Flughafenreisebüros wurden in eine eigene Gesellschaft überführt. Diese sollen ins Last-Minute-Geschäft einsteigen und näher an den auf dieses Segment spezialisierten Konzernveranstalter Bucher Reisen rücken.

Eine rasche Aufwärtsentwicklung im Reisegeschäft erwartet Beeser auch für 2005 nicht: „Wir können nicht damit rechnen, dass in der unverändert schwierigen konjunkturellen Lage der Markt kräftig anspringt,“ sagte er. Im jetzt zu Ende gehenden Geschäftsjahr 2003/2004 werde das Gäste- und Umsatzwachstum „um vier Prozent“ liegen. Für das nächste Jahr erwartet Beeser nur ein „bescheidenes Marktwachstum von etwa zwei Prozent“.

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