Spanische Once
Jobmaschine für Behinderte

Carlos Rubén Fernández Gutiérrez, der Präsident der Stiftung der 70 000 Mitglieder starken spanischen Blindenorganisation Once, gehört gemäß der spanischen Tageszeitung El Mundo nicht umsonst zu den 500 einflussreichsten wirtschaftlichen Persönlichkeiten des Landes.

MADRID. Carlos Rubén Fernández Gutiérrez ist blind. Unsicher ist er deswegen nicht. Er trägt eine dunkle Brille, seine Worte sind treffsicher. Der Mann, der mit 18 Jahren sein Augenlicht verlor, weiß, wie man Geschäfte macht. Er hat zig Bücher darüber geschrieben, wie Behinderte nützlich füre Wirtschaft sein können. Der Präsident der Stiftung der 70 000 Mitglieder starken spanischen Blindenorganisation Once gehört gemäß der spanischen Tageszeitung El Mundo nicht umsonst zu den 500 einflussreichsten wirtschaftlichen Persönlichkeiten des Landes.

Der gelernte Informatiker hat wie seine Vorgänger seit der Gründung der Once im Jahr 1938 dem spanischen Staat nicht nur viel Arbeit bei der gesellschaftlichen Integration von Behinderten abgenommen, sondern auch viele Jobs für sie geschaffen. Über 100 000 Menschen arbeiten bereits direkt oder indirekt für Once, über 70 Prozent sind behindert. In diesem Jahr sollen 50 000 weitere Stellen hinzukommen.

Allein 22 000 Behinderte arbeiten wie der stumme Fernando López für die Once-Lotterie, mit der vor fast 70 Jahren die spanische Jobmaschine für Behinderte begonnen hat und die heute jährlich über zwei Milliarden Euro einnimmt. Sie laufen wie er durch die Straßen, die Papierlose um den Hals, und preisen den Spaniern das Glück auf ihre Weise an. López winkt und gestikuliert, die Leute kennen ihn. Andere verkaufen direkt aus den dunkelbraunen Once-Losbuden, die in allen großen Städten zu finden sind. Ob López für seine tägliche Arbeit zu wenig Geld bekommt, wie einige Gewerkschaften beklagen?

„Vielleicht, aber ich hab' zumindest einen sicheren Job", schreibt der 53-jährige auf einen Zettel. Und das soll nach Wunsch von Fernández Gutiérrez auch so bleiben. Weil mit dem Glücksspiel aber auch in Spanien nicht mehr so viel Geld wie früher zu verdienen ist und Once dort auch wegen angeblicher Betrügereien seit kurzem zweistellige Millionenverluste einfährt, konzentriert er sich zunehmenden auf andere Branchen. Zukünftiger Jobmotor für Behinderte sollen die beiden hauseigenen Holdinggesellschaften Grupo Fundosa sowie Corporación empresarial Once (Ceosa) werden. Im vergangenen Jahr setzte die Gruppe mehr als 163 Mill. Euro um. Die noch größere Ceosa beschäftigt inzwischen 18 000 Menschen und erwirtschaftet rund eine halbe Mrd. Euro. Zu den zahlreichen Tochterunternehmen gehören unter anderem eine Reiseagentur, eine Hotelkette, ein Immobilienmakler sowie ein Callcenter.

Von der Lotterie lossagen kann sich Once aber nicht. Vor wenigen Monaten wurde die „Sofort-Lotterie" eingeführt, um so wieder verlorene Marktanteile beim Glücksspiel zurückzugewinnen. Fernández Gutiérrez ist derzeit auch sehr bemüht, das gute Image der Blindenorganisation zu wahren. Die größte spanische Gewerkschaft CCOO beklagt konstant, dass die Behindertenorganisationen ihren Angestellten nicht den Kontakt mit ihnen erlaube: „Für eine Sozialorganisation ein ziemlich unsoziales Verhalten", heißt es in einer Pressemitteilung.

Der spanischen Regierung dürfte das Engagement trotzdem sehr recht sein, erspart die Organisation doch eigene teuere Behinderten-Werkstätten und Ausbildungsprogramme. Nur 2004 und 2005 musste der Staat einen Zuschuss in Höhe von 87 Millionen Euro für die Ausbildung der 70 000 Mitglieder leisten, weil die Once-Lotterie nicht mehr so gut läuft. Fernández Gutiérrez: „Das soll aber die Ausnahme bleiben. Dafür haben wir uns verpflichtet, weiter Jobs für Behinderte zu schaffen." Allein 16 000 in diesem Jahr.

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