Spardruck erzwingt ungewöhnliche Lösungen
Swiss-Piloten fliegen für China Airlines

Nach der Übernahme der Swiss durch die Lufthansa ist der Spardruck bei der Schweizer Fluggesellschaft gestiegen und führt inzwischen zu ungewöhnlichen Lösungsvorschlägen: Um ihren überzähligen Piloten ein Angebot zu machen, haben die Schweizer einen Ersatzarbeitgeber gesucht und in Taiwan gefunden.

oli HB ZÜRICH. Teil des Übernahmeprozesses zwischen Swiss und Lufthansa ist, dass sich die Schweizer Fluggesellschaft zum Winterflugplan im November von 14 Kurzstreckenflugzeugen der Typen Saab und Embraer trennt. Von den dann überzähligen Swisspiloten sollen zunächst 60 zu China Airlines wechseln. Das Angebot gilt für die Piloten der ehemaligen Crossair, die vor drei Jahren mit der Swiss verschmolzen wurde, deren Arbeitsverträge allerdings noch immer anders als die der übrigen Swiss Piloten sind.

China Airlines suche 40 Piloten für Jumbo-Flugzeuge sowie 20 Piloten für die Airbus-Typen A330 und A340, sagte ein Sprecher der Schweizer Fluggesellschaft. Das seien interessante Angebote für Piloten, die sonst auf kleineren Maschinen eingesetzt würden. Die Swiss ist auch im Kontakt mit einer Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Von der Etihad Airways dürften 15 Swiss-Piloten demnächst ein Angebot erhalten.

Derzeit beschäftigt Swiss noch knapp 1 200 Piloten. Die Zielgröße könnte laut Swiss-Kreisen bei 950 liegen. Kündigungen drohen vor allem Teilen der 450 Ex-Crossair-Piloten, deren Tarifvertrag im November abläuft. Die Gewerkschaft Swiss Pilots, die Interessenvertreterin der Ex-Crossair-Piloten, hat deswegen mitgeteilt, dass sie sich dem noch laufenden Gesamtarbeitsvertrag der Aeropers anschließen wolle – der Gewerkschaft, die die andere Hälfte der Swiss-Piloten vertritt. Nach Ansicht der Swiss Pilots ist ein solcher Anschluss an einen bestehenden Tarifvertrag laut Schweizer Rechtsprechung möglich. Allerdings dürfte dieser Plan aus der Not heraus geboren: Arbeitgeber und Pilotenvertreter verhandeln seit dem Frühjahr über neue Tarifverträge und finden nicht zueinander. Ein Streik würde nicht die erhoffte Wirkung zeigen, weil jene Piloten nicht mitmachten, die der anderen Gewerkschaft angehören.

Aeropers-Vizepräsident Christian Frauenfelder zeigte sich erstaunt über das Vorgehen der Kollegen. Seine Gewerkschaft sei bisher zu Beitrittsplänen weder gefragt noch darüber informiert worden. In den vergangenen Jahren war der Zusammenschluss der Gewerkschaften vor allem von den nun in Bedrängnis geratenden Swiss Pilots abgelehnt worden. Nach Angaben der Unternehmensleitung soll die Initiative der Swiss Pilots zunächst auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Die Vertragsverhandlungen, so heißt es von dem Unternehmen, mit den Swiss Pilots liefen unabhängig davon weiter.

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