Sparmaßnahmen
Deutsche Post will IT-Verwaltung auslagern

Der IT-Dienstleister T-Systems hat bei der Vergabe des Outsourcingauftrags der Deutschen Post den Kürzeren gezogen. Das Logistikunternehmen will dem US-Computerkonzern Hewlett-Packard die Verwaltung seiner Rechenzentren und des Datenmanagements übertragen. Mehrere tausend Mitarbeiter sollen zu HP wechseln.

DÜSSELDORF. Nur einen Tag nach Bekanntgabe hoher Sonderabschreibungen im US-Geschäft kündigt die Deutsche Post eine drastische Sparmaßnahme an. Voraussichtlich ab Mitte des Jahres will der Bonner Konzern knapp ein Viertel seiner weltweiten IT-Aktivitäten an den Outsourcing-Spezialisten Hewlett-Packard (HP) verkaufen. Ein "Letter of Intent" sei unterzeichnet. "Die Vereinbarung dürfte unsere IT-Kosten um 25 Prozent senken", sagte Finanzvorstand John Allan dem Handelsblatt. Zudem würde sie "erheblich dazu beitragen, unsere Geschäftsziele zu erreichen".

Am Mittwoch hatte der Dax-Konzern wegen weiterer Schwierigkeiten im US-Expressgeschäft für 2007 Sonderabschreibungen von 600 Mill. Euro bekannt gegeben. Trotz der bevorstehenden Sanierung der US-Sparte hatte Vorstandschef Klaus Zumwinkel aber versprochen, 2008 den Betriebsgewinn auf rund 4,2 Mrd. Euro zu steigern - nach etwa 3,7 Mrd. Euro im vergangenen Jahr.

Mindestens eine Milliarde Euro will die Deutsche Post in den kommenden sieben Jahren allein durch das Outsourcing der IT einsparen - durchschnittlich 140 Mill. Euro pro Jahr. Nach Angaben des Bonner Logistikkonzerns sollen 2 500 Mitarbeiter das Unternehmen wechseln. Betroffen seien die IT-Standorte in der tschechischen Hauptstadt Prag, in Scottsdale/Arizona sowie im malaysischen Cyberjaya. Dagegen blieben die deutschen IT-Mitarbeiter von der Vereinbarung weitgehend verschont.

Wie das Handelsblatt im Konzern erfuhr, erwarten die Bonner einen Kaufpreis in Höhe von rund 200 Mill. Euro. Im Gegenzug winkt HP, verteilt über sieben Jahre, ein Gesamtauftragsvolumen von vier Mrd. Euro.

Schon seit 15 Jahren arbeitet der ehemalige Staatsmonopolist mit dem amerikanischen IT-Dienstleister zusammen. Um den Outsourcingauftrag hatte sich aber offenbar auch T -Systems beworben. "Am Ende fiel die Wahl auf HP, weil der amerikanische Konzern international sehr gut aufgestellt ist", ist bei der Post zu hören.

Seit der damalige Daimler-Benz -Konzern 1990 seine IT-Aufgaben an die Konzerntochter Debis abtrat, hat sich das Outsourcinggeschäft in Deutschland zum Teil stürmisch entwickelt. Der Branchenverband Bitkom erwartet für das laufende Jahr in der deutschen IT-Branche ein Outsourcingvolumen von 18 Mrd. Euro - nach 17 Mrd. Euro im abgelaufenen Jahr.

Derzeit steht die Branche allerdings unter einem hohen Konsolidierungsdruck, der möglicherweise kleinere Anbieter vom Markt spülen wird. Entsprechend massiv bemühen sich die Dienstleistungskonzerne um ertragreiche Zukäufe.

HP gelang es bereits im zweiten Halbjahr 2007, in Deutschland weiter zuzulegen, wie Landeschef Uli Holdenried berichtet. Im Oktober übertrug die Commerzbank den Amerikanern die IT-Betreuung - mit einem Auftragsvolumen von 150 Mill. Euro über fünf Jahre. 100 Mitarbeiter wechselten zu HP.

Einen der größten Deals schaffte 2007 der indische IT-Dienstleister Infosys, der im Juli die Computerbetreuung des niederländischen Elektronikkonzerns Philips für 250 Mill. Euro übernahm. 1 400 Mitarbeiter erhalten danach neue Arbeitsverträge.

Noch im Verhandlungsstadium ist ein Outsourcingauftrag des Ölmultis Shell, der seine jährlichen Kosten damit um 500 Mill. Euro senken will. Um die 3 000 Mitarbeiter zählende IT-Abteilung buhlen derzeit angeblich T -Systems, AT&T und EDS.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%