Sparmaßnahmen
Hertie-Abwickler findet keinen Käufer

Hertie-Insolvenzverwalter Biner Bähr sucht bisher vergeblich nach einem Käufer für die wenig profitablen Warenhäuser. Darum will er das Unternehmen nun mit harten Sparmaßnahmen auf Kurs bringen. Rund ein Viertel aller Häuser sollen geschlossen und 520 der 3000 Vollzeit-Mitarbeiter entlassen werden.

DÜSSELDORF. Trotz zahlreicher Bemühungen findet Hertie-Insolvenzverwalter Biner Bähr keinen Käufer für die angeschlagene Warenhauskette. Gestern Abend präsentierte er deshalb dem Betriebsrat einen harten Sanierungsplan, mit dem er das Unternehmen zunächst in Eigenregie fortführen will. Das erfuhr das Handelsblatt aus Firmenkreisen.

Demnach werden 19 der 73 Häuser geschlossen. Gleichzeitig fallen 520 der knapp 3 000 Vollzeitstellen weg, ein Teil davon in der Essener Verwaltungszentrale. Ob die ausscheidenden Mitarbeiter von einer Transfergesellschaft übernommen werden, wollte ein Sprecher nicht kommentieren.

In Nordrhein-Westfalen werden zwölf Standorte dicht gemacht. So zum Beispiel gleich zwei in Essen und einer in Köln. Auch andere Bundesländer sind betroffen, in Bayern etwa wird die Filiale in Augsburg geschlossen.

Knapp drei Jahre nach dem Verkauf durch Karstadt-Quelle hatte Hertie im vergangenen Sommer das Insolvenzverfahren beantragt – nahezu zeitgleich mit den ehemaligen Schwesterfirmen Sinn-Leffers und Wehmeyer. Zuvor hatten die neuen Hertie-Eigentümer um den Londoner Finanzinvestor Dawnay Day die Warenhauskette in eine operative und eine Immobiliengesellschaft aufgespalten, um das investierte Geld über hohe Mieten zurückzuholen. Doch Herties Umsatz sackte von 680 auf 450 Mio. Euro ab, der Handelsbetrieb schrieb hohe Verluste. Als Dawnay Day im Sommer selbst in Schieflage geriet, konnten die Briten ihr Tochterunternehmen nicht mehr stützen.

„Die teuren Mietverträge blockieren die Verkaufsverhandlungen“, berichtet ein Hertie-Insider. Die Insolvenzanwälte von BDO, die beim Alteigentümer Dawnay Day die Geschäfte übernommen haben, beharrten weiterhin auf ihren alten Verträgen mit Hertie.

Hoffnung gibt es allein an den Standorten Wesseling, Wolfenbüttel und bei zwei Häusern in München, wo die Immobilien letzte Woche an neue Eigentümer gingen. „Hier haben wir die Vertragskündigungen akzeptiert, bemühen uns aber um günstigere Anschlussverträge“, sagte ein Hertie-Sprecher.

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