Sparpläne fürs Flug-Geschäft
Tui gibt AMC ans Management ab

Europas größter Touristikkonzern Tui wollte die britische Metallhandelsgruppe AMC bereits im Sommer verkauft haben, doch die Verhandlungen verliefen zäher als gedacht. Nun scheint es, als sei der Verkauf an die AMC-Manager unter Dach und Fach, so Angaben aus Aufsichtsratskreisen. Tui kann dafür nach Schätzungen aus Branchenkreisen mit einem Erlös in der Größenordnung von 200 Mill. € rechnen.

HB HANNOVER. Der Tui-Aufsichtsrat soll der Transaktion am kommenden Montag zustimmen, wie aus der Reuters vorliegenden Tagesordnung des Kontrollgremiums hervorgeht. Tui-Sprecher Kay Baden wollte die Angaben am Donnerstag nicht bestätigen. „Kein Kommentar. Wir werden nach der Aufsichtsratssitzung über Entscheidungen berichten“, sagte Baden. Das Kontrollgremium soll auch ausführlich über die Zukunft des derzeit schwierigen Touristikgeschäfts und weitere Veränderungen im Flugbereich beraten. Dabei geht es den Angaben zufolge vor allem um Kostensenkungen bei den Tui-Airlines in Skandinavien und Großbritannien.

Tui wollte den Verkauf der Metallhandelsgruppe Amalgamated Metal Corporation PLC ursprünglich bereits im Sommer abschließen. Wie es aus Bankenkreisen hieß, gestalteten sich allerdings die Verhandlungen zur Finanzierung des Management-buy-outs schwierig. Die weltweit in 15 Ländern tätige AMC-Gruppe war einst von Tui-Vorgänger Preussag zu 99,4 % erworben worden. 2002 steigerte AMC den Umsatz um gut zwei Prozent auf 2,4 Mrd. €. Der operative Gewinn war allerdings um 25 % auf 26 Mill. € zurückgegangen.

Debatte über Touristik-Geschäft

Der Aufsichtsrat befasst sich der Tagesordnung zufolge ausgiebig mit dem Tourismus-Geschäft, das im ersten Halbjahr einen operativen Verlust von knapp 200 Mill. € aufwies. Der Vorstand will in einer „Projektionsrechnung 2003“ einen Ausblick auf das aktuelle Geschäftsjahr geben. Darüber hinaus sollen die einzelnen Touristikbereichsvorstände ihre Pläne für Innovationen vorstellen.

Tui wollte auch dies unter Hinweis auf die Vertraulichkeit der Aufsichtsratssitzung nicht kommentieren. Nach den Worten Badens wird Tui nach den Erörterungen im Aufsichtsrat auch weiterhin keine offizielle Prognose für 2003 geben. Tui hat bisher lediglich angekündigt, dass das Jahresergebnis infolge der Sondererlöse aus dem Verkauf der Energiesparte von bisher rund 750 Mill. € besser als im Vorjahr ausfallen werde. Der Tui-Gewinn war 2002 infolge der Reisekrise um 90 % auf 41 Mill. € geschrumpft.

Auch bei Britannia Sparmaßnahmen

Der Reisekonzern bereitet zur Verbesserung seiner Erträge weitere Sparmaßnahmen vor, die vor allem den Flugbereich betreffen. Tui hatte bereits kürzlich bestätigt, es würden verschiedene Optionen im Flugbereich geprüft. Neben den bereits bekannt geworden Gesprächen für den Kauf der dänischen Billigfluglinie Sterling, die einen Teil des Tui-Geschäfts in Skandinavien übernehmen soll, sind weitere Maßnahmen für das britische Fluggeschäft vorgesehen.

Allerdings geht es nach Angaben aus dem Tui-Aufsichtsrat bislang nicht um einen Kauf einer weiteren Low-Cost-Airline, sondern um Kostensenkungen innerhalb der Fluggesellschaft Britannia. In der für Montag terminierten Aufsichtsratssitzung könnten hierzu möglicherweise bereits Entscheidungen gefällt werden. Der Kauf der dänischen Airline Sterling, einer Tochter der Unternehmen Ganger Rolf und Bonheur, sei dagegen nach bisherigem Stand noch nicht entscheidungsreif.

Ebenfalls nicht auf der Tagesordnung des Tui-Aufsichtsrates steht bisher die Frage, wer neuer Hauptaktionär des Reisekonzerns werden und wie Tui eine mögliche feindliche Übernahme abwehren könnte. Die Ankündigung der WestLB, ihren 31 %-Anteil mittelfristig zu verkaufen, hatte in den vergangenen Wochen für zahlreiche Spekulationen gesorgt. Das Thema werde natürlich im Aufsichtsrat eine Rolle spielen, hieß es dazu am Donnerstag. Allerdings sei hierzu nichts entschieden. Die Tui-Aktie legte nach Kursverlusten an den Vortagen am Donnerstag leicht auf 15,21 € zu.

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