Sparprogramm
Air Berlin verkleinert Flotte wegen Flugsteuer

Statt wie geplant zu expandieren, hat die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ein neues Sparprogramm angekündigt. Das begründet sie mit den erwarteten Belastungen durch die Luftverkehrssteuer.
  • 3

HB MÜNCHEN. Air Berlin macht wegen der Flugsteuer Abstriche bei ihren Wachstumsplänen für 2011. Damit die erwarteten Zusatzkosten von 160 bis 170 Mio. Euro durch die beschlossene Luftverkehrsabgabe nicht den für 2011 geplanten Nettogewinn auffressen, will Air Berlin weniger profitable Strecken einstellen. Ab dem Frühjahr fliegt die zweitgrößte deutsche Airline mit sieben Maschinen weniger - dabei wollte sie ihre Flotte angesichts der wieder anziehenden Nachfrage eigentlich um sieben Flugzeuge aufstocken. „Wir gehen den vorsichtigeren Weg“, sagte Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer am Donnerstag.

Die Flugsteuer bedeute auf manchen Air-Berlin-Strecken einen „wahnsinnigen Preisschock“, sagte Hüttmeyer. Dort wo die Airline die Zusatzkosten nicht an die Passagiere weitergeben könne, würden Routen ausgedünnt oder eingestellt. Ziel sei ein Streckennetz, in dem die Airline die Steuer voll auf die Passagiere abwälzen könne. Der Schrumpfkurs wird vor allem Kurzstrecken betreffen - auf der Langstrecke werde es keine Einschnitte geben. Ab Januar verteuern sich Flüge durch die Steuer auf Kurzstrecken um acht Euro, auf Mittelstrecken um 25 und auf Langstrecken um 45 Euro.

Neben der Verringerung der Kapazitäten um insgesamt fünf Prozent will die Airline nach der Übernahme von LTU Doppelstrukturen etwa im Technikbetrieb abbauen und schließt dafür auch einen Personalabbau nicht aus. „Wo es sein muss, kann es passieren, dass wir Personaleinschnitte vornehmen werden“, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold.

Profitieren will Air Berlin von der engeren Kooperation mit American Airlines, der bis Anfang 2012 geplanten Aufnahme in die Luftfahrtallianz Oneworld und einer weiter anziehenden Nachfrage. Im kommenden Jahr peilt das Unternehmen ein operatives Ergebnis (Ebit) im Rahmen der Analystenprognose von 55 Mio. Euro und einen Nettogewinn an. Im laufenden Jahr soll das Ebit über dem Vorjahreswert von 28,5 Mio. Euro liegen. Unter dem Strich erwartet die Airline 2010 rote Zahlen. Im vierten Quartal erwartet Air Berlin auch operativ einen Verlust, der allerdings „nicht zweistellig“ ausfallen werde, sagte Hüttmeyer.

Die Air-Berlin-Aktie drehte angesichts der Aussichten für das kommende Jahr ins Plus und notierte 0,6 Prozent höher. Vom Beitritt zur Allianz Oneworld und dem neuen Sparprogramm verspricht sich WestLB-Analyst Hartmut Moers 2011 einen deutlichen Gewinnzuwachs.

Kommentare zu " Sparprogramm: Air Berlin verkleinert Flotte wegen Flugsteuer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Offiziell ist es die Luftverkehrsabgabe. Umstrukturierung und Neuorientierung sind da treffender. So ein Flugallianz-beitritt verursacht auch erst mal hohe Kosten. Als Allrounder muß man neue Prioritäten setzen.

  • Sehr konsequent und das ist sicherlich erst der Anfang. ich kann mir nicht vorstellen das die Lufthansa die 45€ kompensieren kann, auch dort wird das im Preis einkalkuliert. Erschreckend ist das die Regierung wohl nur noch für andere Staaten arbeitet und gegen die eigenen Unternehmen. Geld für die EU Länder, jetzt Unterstützung aus-ländischer Flughäfen und Airlines. Wer kann fliegt dan eben von Amsterdam, Kopenhagen, Wien oder Zürich ins Ausland. dafür werden in Deutschlands Flugwirtschaft dann ettliche Stellen gestrichen. Die Niederländer haben das auch mal versucht, Ergebnis die Leute sind ab Düsseldorf geflogen und der Schaden war höher als die einnahmen aus der Steuer, Ergebnis Steuer zurückgezogen. Schade für die betroffenen Arbeitnehmer bei den Airlines, Flughäfen, Cateringfirmen etc. aber das interessiert Ramsauer nicht... der spricht ja nur mit dem Chef wie wir aus einem interview wissen... "Hochmut kommt vor dem Fall"

  • Das ist doch mal eine vernünftige Antwort auf die abartige Steuerpolitik von schwarz/gelb. Steuererhöhungen und Erfindung von immer neuen Steuern und Abgaben führt zwangläufig zu Wirtschafts- und Konsumrückgang. Ganz nebenbei werden dann auch indirekt beteiligte industriezweige, wie in diesem Fall der Flugzeugbau, mit in den Sog gezogen. Hat natürlich auch seine Vorteile. Der Kerosinverbrauch geht zurück. Das ist gut für die Umwelt. Deshalb sollte man auch allen anderen Firmen (und dem Privatverbraucher sowieso) in Deutschland noch mehr Steuern und Abgaben aufbürden. Solange bis es in Deutschland keine industrie, keine Arbeit und keinen Konsum mehr gibt. Lasst uns alle über blühende blumenwiesen schweben. CDU und FDP haben so richtig was auf dem Kasten. Vergesst nicht die bande wiederzuwählen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%