Sparprogramm und Investitionen
Tui sucht den Befreiungsschlag

Mit zwei gegensätzlichen Signale macht Tui von sich reden: Auf der einen Seite steht ein einschneidendes Sparprogramm, dem 3 600 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollen. Andererseits kündigt der schwächelnde Reise- und Schifffahrtskonzern neue Investitionen und Kooperationen an.

HB HANNOVER/HAMBURG. Den Nachrichten über den Notfallplan, ausbleibenden Erträgen und massiven Stellenabbau folgen Ankündigungen neuer Pläne auf den Fuß: Zur Unterstützung seiner neuen Flugstrategie hat Tui eine Bestellung für 65 Boeing-Jets platziert. Außerdem will das Touristikunternehmen ins Massengeschäft mit Kreuzfahrten einsteigen. 65 Boeing-Jets im Wert von rund zwei Milliarden Euro hat Tui jetzt bestellt. Die Flugzeuge würden ab 2010 ausgeliefert und sollen die Flotte bis zum Jahr 2013 erneuern, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Die neue Fluggesellschaft aus den fusionierten TUI-Gesellschaften HLX und Hapagfly erhält den Namen TUIfly.com und soll das Ergebnis bis 2008 um 60 Millionen Euro verbessern.

Die Flugzeuge sollen laut TUI nach Möglichkeit außerhalb der Bilanz verbucht werden. Dazu wird die Gründung einer Leasinggesellschaft geprüft, an der TUI eine Minderheitsbeteiligung übernehmen würde. Über das Onlineportal TUIfly.com sollen ab 2007 nach und nach alle Fluggesellschaften des TUI-Konzerns vermarktet werden, hieß es weiter. TUI will sich verstärkt auf die Vermarktung im Internet konzentrieren und in den kommenden drei Jahren einen jährlichen Zuwachs von 50 Prozent erreichen. Damit soll schließlich mehr als ein Viertel des Umsatzes über das Internet erzielt werden. Derzeit sind es 18 Prozent.

Der Reise- und Schiffahrtskonzern lässt sich das Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Kreuzfahrtriesen Carnival zum Einstieg in das Massengeschäft in der Kreuzfahrt 300 Millionen Euro kosten. „Der Kauf der ersten fünf Prozent Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen kostet 60 Millionen Euro“, sagte TUI-Chef Michael Frenzel. Bis 2010, wenn das erste Schiff mit 3 000 Betten geliefert sei, soll der TUI-Anteil auf 25 Prozent steigen. Der gesamte Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen würde dann 300 Millionen Euro kosten, sagte Frenzel. Bislang betreibt der Konzern in Deutschland bei seiner Tochter Hapag-Lloyd vier Kreuzfahrtschiffe im Luxussegment. Hinzu kommen bei der britischen Tochter Thomson Cruises fünf Kreuzfahrtschiffe für den Massenmarkt.

Anteilseigner blicken unterdessen auf ein mageres Jahr zurück. Die TUI AG wird im laufenden Jahr operativ keine Dividende verdienen, sagte Frenzel weiter. Durch Integrationskosten werde das Ergebnis in der Schifffahrt negativ ausfallen. Wie das Nettoergebnis des Konzerns aussehen wird, sagte er indes nicht. Dafür sei es noch zu früh. Der Vorstand habe sich wegen der operativen Entwicklung entschieden, dem Aufsichtsrat den Ausfall der Dividende für das laufende Jahr vorzuschlagen. Diese Maßnahme würde die Konzernbilanz stärken, sagte der Vorstandsvorsitzende. Frenzel bezeichnete das laufende Jahr als „kein gutes“. Es sei geplant, in die Bilanz für das laufende Jahr „all das zu packen, was möglich ist“. So will der Konzern einen frischen Start ins Jahr 2007 wagen. Das Ergebnis des Jahres 2006 werde erst zur Bilanzpressekonferenz genannt, sagte Frenzel. Gegenwärtig prüfe der Konzern, welche Risiken schon im Jahr 2006 verbucht werden könnten.

Mit drastischen Kostensenkungen und einem massiven Personalabbau will der Konzern seine Talfahrt bremsen. Frenzel will aber an seinem grundsätzlichen Kurs festhalten. Eine Trennung von der Schifffahrt sei derzeit kein gangbarer Weg, sagte der Konzernchef. Um den Weg aus der Krise zu schaffen, beschloss der TUI- Aufsichtsrat neben der neuen Strategie im Flug-, Internet- und Kreuzfahrtgeschäft auch ein Sparprogramm. Die Aktie reagierte mit Abschlägen. Am Vormittag gab der Kurs um knapp 4 Prozent auf 15,40 Euro nach.

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