Spekulationen um den Absturz
Die Ungereimtheiten des Germanwings-Fluges 4U 9525

Die Ursachen für den tragischen Absturz des Germanwings-Fluges 4U 9525 sind weiterhin völlig unklar, die Erklärungsversuche daher zahlreich. Doch die Spekulationen erweisen sich häufig als wenig fundiert.
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DüsseldorfWenn eine Tragödie groß genug, ihre Ursache aber weitestgehend unklar ist, dann schießen die Spekulationen ins Kraut. Die offenen Fragen, die der Flug 4U 9525 hinterlässt, verunsichern Passagiere und Flugpersonal. Klarheit müssen nun die Behörden und die Lufthansa liefern. Handelsblatt Online sucht nach Antworten auf die drängendsten Fragen zum Unglück.

Warum wurde kein Notruf abgesetzt?

Die Besatzung von Flug 4U 9525 hat nach Angaben der französischen Flugaufsicht keinen Notruf abgesetzt. Auch Germanwings bestätigte, dass es keinen Kontakt zwischen Crew und Bodenkontrolle gegeben hatte. Warum die Piloten keinen Notruf abgesetzt haben, ist noch unklar.

Grundsätzlich gilt für die Crew in einer Notfallsituation die Regel „Aviate, Navigate and lastly Communicate“. „Die Piloten versuchen zuerst, das Problem in den Griff zu bekommen und das Flugzeug in der Luft zu halten“, erklärte Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt auf Handelsblatt-Anfrage. Danach gelte es, die Maschine zu navigieren. Erst im letzten Schritt werde ein Notruf abgesetzt. „Die Flugsicherung am Boden kann den Piloten an Bord ohnehin nicht helfen“, erläutert Großbongardt. Dass kein Notruf abgesetzt wurde, sei ein Indiz dafür, dass die Piloten unter einer „extrem hohen Arbeitsbelastung“ gestanden hätten.

Der Sinkflug der Germanwings-Maschine dauerte mit acht Minuten viel länger als üblich. „Das deutet darauf hin, dass es technische Probleme gab“, schätzt der Luftfahrtexperte. Die Geschwindigkeit der Germanwings-Maschine war während des Sinkflugs aber konstant hoch. „Das spricht dafür, dass der Sinkflug durchaus kontrolliert war.“ Warum es den Piloten aber nicht gelungen ist, einen der umliegenden Flughäfen in Marseille, Lyon oder Nizza anzufliegen, kann derzeit nur spekuliert werden. Genaue Erkenntnisse kann allein die Auswertung des Flugschreibers liefern.

Hatte die Unglücksmaschine technische Probleme?

Ob technische Probleme für den Absturz verantwortlich sind, ist noch völlig unklar. Bisher ist bekannt, dass die abgestürzte Maschine am Tag vor dem Unglück wegen Problemen an den Bugradklappen mehrere Stunden am Flughafen Düsseldorf repariert wurde. Allerdings gelten solche Probleme unter Experten als nicht sicherheitsrelevant. In der Huffington Post erklärt Airline-Experte Tobias Rückerl, dass derartige Spekulationen „unverantwortlich” und „an den Haaren herbeigezogen” seien.

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Vereiste Sensoren?

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„Piloten sind den Systemen nicht ausgeliefert“

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  • Einen solchen weitgehend überflüssigen "Tourismus" von Politikern, noch bevor die Bergung abgeschlossen ist, halte auch ich für vollkommen unangebracht. Dass die betroffenen Staatsoberhäupter sich später zum Gedenken (und Danken) versammeln, mag ja angehen und sogar angemessen sein. Aber was wollten und konnten der Außenminister, der Verkehrsminister und sogar Abgeordnete des Verkehrsausschusses dort bewirken? Es ist nicht bekannt geworden, dass sich spanische Abgeordnete am Ort des Geschehens, wo es auf sie auch nicht im Geringsten ankommt, versammelt hätten. Ein Schelm der Bürger und Steuerzahler, der sich fragt, warum die deutschen denn diesen in der Sache sinnlosen und verschwenderisch wirkenden "Ausflug" gemacht haben. Die so vergeudeten Ressourcen hätte man z. B. zur Unterstützung einschlägiger Rettungsdienste oder betroffener Angehöriger weit sinnvoller verwenden können. Und ja, Herr Joker, auch ich bin der Auffassung, dass man sich auch bei den von Ihnen erwähnten andern Katastrophen mehr "reinhängen" muss, will man denn als Politiker wirklich glaubwürdig sein. Aber, hat nicht ein Volk genau die Volksvertreter, die es verdient...?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Also auf beheizte Sensoren 'verzichtet man bei Airbus'. Die sind Airbus "zu teuer". Dann könnte das Publikum auf Airbusse verzichten und sich vielleicht besser für Boeing Maschinen entscheiden. Eine 24 Jahre alte Maschine mit über 58 000 Flugstunden und über 47 000 Starts und Landungen ist schon ein ziemlich altes Pferd, und mit alten Pferden geht man höchsten Sonntags ein Stündchen reiten.

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