Spekulationen um Management-Buy-Out
Tui steckt in Gerüchteküche fest

Um den Touristikriesen Tui ranken seit Wochen zahlreiche Gerüchte, was der Aktie jedoch deutlichen Auftrieb gegeben hat. Nun soll Tui-Chef Michael Frenzel laut einem Magazin-Bericht ein Management-Buyout bei Europas größtem Touristikkonzern planen. Konzern-Sprecher Kay Baden wies dies jedoch gleich zurück.

HB HANNOVER. Der Touristikriese Tui kann die Welle von Gerüchten über seine künftige Eigentümerstruktur einfach nicht stoppen. Und dies wird sich nach Einschätzung von Branchenexperten nicht ändern, solange unklar ist, wer eines Tages die zum Verkauf stehenden 31 % Tui-Anteile der WestLB übernimmt.

Als jüngstes Tui-Gerücht kolportierte die „Börsen-Zeitung“ am Dienstag ohne Angabe konkreter Quellen, Tui-Chef Michael Frenzel wolle seinen Stuhl retten, im dem sich das Management des Konzerns zusammen mit freundlich gesonnenen Investoren zusammenschließt und den WestLB-Anteil übernimmt.

„Der Bericht der Börsen-Zeitung reiht sich ein in eine Kette von Spekulationen, die alle gegenstandslos sind“, dementierte Tui-Sprecher Kay Baden umgehend. „Das bedeutet, dass der Tui-Vorstand keine Ambitionen für ein Management-Buy-Out oder Ähnliches hat.“ Auch die Logistik-Tochter Hapag-Lloyd wolle man nicht verkaufen, trat er entsprechenden Gerüchten entgegen. Tui bereite derzeit auch keine Abwehrmaßnahmen für eine feindlich gesonnene Übernahme vor, wie spekuliert werde.

Um Glaubwürdigkeit nicht gut bestellt

Allerdings ist es um die Glaubwürdigkeit von Tui-Dementis gegenwärtig nicht gut bestellt. „Da derzeit bei Tui alles für denkbar gehalten wird, schenkt man dem wenig Glauben“, sagte ein Touristikanalyst. Es sei auch im Markt bekannt, dass sich Tui natürlich bereits Gedanken über die Zeit nach der WestLB gemacht habe. Es sei völlig normal, dass es Überlegungen in alle Richtungen gebe, in die auch potenzielle Investoren einbezogen seien. Dies führe dann zu Gerüchten, auch wenn an denen letztlich nicht viel dran sein müsse, sagte der Analyst.

Die WestLB, bisher wichtigster Eigner bei Tui, hatte im Juli angekündigt, sich mittelfristig von ihrem Tui-Paket trennen zu wollen. Seither kursieren in den Medien und Finanzkreisen zahllose Spekulationen über potenzielle Investoren. Vorigen Freitag hatte der ehemalige Tchibo-Aktionär Günter Herz nach tagelangen Berichten über seine angeblichen Einstiegspläne bei Tui dies entschieden zurückgewiesen. Dennoch hält sich im Markt die Meinung, irgendetwas werde schon dran sein.

Glaubt man den Beteuerungen des Reisekonzerns und der WestLB, soll der Verkauf des 31-Prozent-Pakets keineswegs schnell über die Bühne gehen. Denn der Aktienkurs von Tui ist trotz des jüngsten Höhenfluges für einen Verkauf nicht attraktiv genug. Gleichwohl ist die von der Reiseflaute schwer getroffene Tui-Aktie derzeit Profiteur der brodelnden Gerüchteküche. Am Dienstag legte sie um weitere drei Prozent auf 16,43 € zu und notiert damit bereits mehr als das Doppelte über dem Jahrestief zu Zeiten des Irak-Krieges.

Tui heizt Gerüchte zum Teil selbst an

Tui versucht derzeit vieles, um weitere Spekulationen zu vermeiden, heizt diese aber zum Teile selbst an. Zwei Tage versammelte sich der Aufsichtsrat am Montag und Dienstag auf Mallorca. Anschließend sind für Mittwoch mehrere Dutzend Analysten, am Donnerstag auch Journalisten zum Gespräch auf die Insel geladen. Dies hat hohe Erwartungen geweckt, etwa an der Börse, wo mit wichtigen Mitteilungen gerechnet wird. „Völlig zu Unrecht“, wie Tui-Sprecher Baden leicht irritiert erklärt. Wichtige Aussagen, insbesondere zu der künftigen Eigentümerstruktur von Tui seien nicht geplant. Die hohen Erwartungen müsse man wohl enttäuschen.

Konzernchef Frenzel plant nach bisherigen Angaben, sich vor allem grundsätzlich zur Strategie des derzeit von der Krise gezeichneten Touristikkonzerns zu äußern, weniger über die Übernahmegerüchte. „Eigentlich kann er gar nichts dazu sagen. Dennoch ist der Druck groß“, sagte ein Analyst im Vorfeld des Treffens. Im Aufsichtsrat sei die Frage des künftigen Hauptinvestors offiziell kein Thema gewesen, sagte Baden.

Konkretere Hinweise werden dagegen für die geplanten Veränderungen im Flugbereich der Tui von Frenzel erwartet. Das Fluggeschäft ist durch das Wachstum der Billigfluggesellschaften stark unter Druck geraten. Tui hat bereits signalisiert, dass das Fluggeschäft sich insgesamt stärker an die Strukturen im Billigflugbereich anpassen soll, um damit Kosten zu sparen. Dem Aufsichtsrat wurden jetzt erstmals Pläne für Großbritannien vorgestellt. Dort will Tui mit seiner Flugtochter Britannia ins Billigfluggeschäft einsteigen und dies erstmals im Konzern mit dem klassischen Charterfluggeschäft verknüpfen, um so Kosten zu sparen.

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