Spekulationen um Zukunft des Reisekonzerns
Finanzinvestoren werfen ein Auge auf Tui

Die Private Equity-Branche spielt den Kauf des Touristikkonzerns durch. Firmenchef Frenzel ist derzeit ein gesuchter Gesprächspartner für die Investoren.

FRANKFURT/M. Im Ferienparadies Mallorca gab sich Tui-Chef Michael Frenzel vergangene Woche ganz entspannt. Eine feindliche Übernahme sei „kein realistisches Szenario“. Zudem habe die Westdeutsche Landesbank (WestLB), die mit 31 % der größte Aktionär des Tourismuskonzerns ist, keine Eile beim Verkauf dieses Stück Tafelsilbers. Während Frenzel versucht, Spekulationen – zuletzt waberte ein Management Buyout durch die Gerüchteküche – einen Riegel vorzuschieben, wird eine Übernahme von Finanzinvestoren munter durchgespielt.

Frenzel ist die Private-Equity- Branche keineswegs fremd. Wie aus dem diskret arbeitenden „Netzwerk“ der Beteiligungsbranche zu hören ist, gilt der Tui-Chef als gefragter Gesprächspartner. Die Finanzinvestoren haben beispielsweise Dienstleister für Reiseunternehmen und Fluggesellschaften in den Portfolios und stehen schon deshalb häufiger in Kontakt mit dem größten Tourismuskonzern in Europa. Aber jetzt geht es um Größeres – Tui als Ganzes ist in das Fadenkreuz der Finanzinvestoren gerückt.

„Da können sie alles darauf verwetten, dass sich die Top-Finanzinvestoren dieser Welt wie KKR mit dem Deal beschäftigen“, sagt ein altgedienter Beteiligungsexperte in München. In einer einfachen Rechnung („back of the envelope calculation“) summierten sich die durchschnittliche Marktkapitalisierung der vergangenen drei Monate, die Schulden sowie die Pensionsverpflichtungen auf rund 6,5 Mrd. Euro. Plus einer „kleinen strategischen Prämie“ dürfte die Transaktion bei maximal sieben Milliarden Euro liegen. Damit müssten die Finanzinvestoren mindestens zwei Milliarden Euro Eigenkapital mitbringen – zu viel für einen allein. „Das geht nur, wenn sich mindestens drei Finanzinvestoren zusammenschließen“, sagt ein Private- Equity-Manager in Frankfurt. Es gibt bereits Vorbilder für eine Mammuttransaktion dieser Art: Für den Kauf der „Gelben Seiten“ in Italien, die mit knapp 5,7 Mrd. ¤ bewertet waren, schlossen sich drei Finanzinvestoren zusammen. Da die meisten Beteiligungsfonds gehalten sind, höchstens 20 % ihrer gesamten Mittel in einen Deal zu stecken, kommen für einen Tui-Deal nur die Top-Spieler der Branche mit ihren Milliardentöpfen in Frage: Permira, KKR, Blackstone, Apax, BC Partners und Goldman Sachs – die üblichen Verdächtigen eben, wie es ein M&A-Experte formuliert. Allerdings weisen nicht wenige Beteiligungsmanager darauf hin, dass Tui mit zahllosen Unwägbarkeiten behaftet ist. Mit dem WestLB-Paket komme auch die Politik ins Spiel, „da finden sie Tretminen auf jeder Entscheidungsstufe“, sagt ein Beobachter. Und das Tourismusgeschäft sei keine sichere Bank mehr, statt stetiger Cash-flows seien die Erlöse extrem zyklisch geworden, ganz zu schweigen von der Terrorgefahr.

Eine feindliche Übernahme kann sich praktisch kein Finanzinvestor vorstellen, in Frage komme nur ein abgestimmtes Angebot mit einem strategischen Investor zusammen. „Sie brauchen das Management, sonst kann der Deal nicht funktionieren“, sagt ein Investmentbanker. Bedenken kommen Beratern allerdings mit Blick auf den Cash flow, den Rückfluss an flüssigen Mitteln, der für Private-Equity-Häuser sehr wichtig ist, um die Schulden zu bedienen. Die Pläne von Tui, Unternehmensteile zu verkaufen und die Verschulung um eine Milliarde Euro zu senken, werden deshalb positiv gesehen.

Auch wenn Frenzel alles tut, um eine Übernahme durch Private-Equity-Investoren einzufädeln, die Entscheidung liegt bei der WestLB. Diese hat die Aktie laut Finanzkreisen mit rund 20 Euroo je Aktie in den Büchern stehen und will zumindest diesen Preis erzielen. Wie das geschehen soll, ist aber noch nicht entschieden. Zurzeit werden alle Möglichkeiten durchgespielt. Neben dem Verkauf der gesamten Beteiligung kommen auch die Abgabe von kleineren Aktienpaketen an institutionelle Investoren und ein Teilverkauf über die Börse in Frage. Doch noch ist keine Vorauswahl getroffen worden. Erst dann wolle der Vorstand der Landesbank über das weitere Vorgehen diskutieren, berichten Insider. Vielleicht schlägt schon bald die Stunde der Finanzinvestoren.

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