Spezial-Transporte
Versteckter Glamour

Die Fördertechnik mit ihren Robotern und Geisterfahrzeugen hat sich zu einer Boombranche des deutschen Maschinenbaus entwickelt. Besonders im Ausland sind die High-Tech-Produkte „Made in Germany“ gefragt. Das langweilig-dreckige Image, das der Branche anhaftet, stimmt schon lange nicht mehr mit der Realität überein.
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Der Name für das seelenlose Ungetüm war schnell gefunden: „Titan“. Alles, was ihm in die Quere kommt, räumt der Kraftprotz aus dem Weg - egal, in welche Richtung, selbst wenn es eine Tonne wiegt.

Der drei Meter hohe, orangefarbene Nachfahr des kämpferischen Göttergeschlechts aus der griechischen Sage steht neu im Guinnessbuch der Rekorde. Er ist der stärkste Industrieroboter der Welt. Bisher mussten Lasten über 750 Kilogramm mit Kränen oder mehreren Robotern durch die Fabrikhallen bewegt werden. Jetzt reicht dazu ein einziger „Titan", der flexibel einsetzbar ist und die Arbeit allein schafft. „Damit können wir in Märkte vorstoßen, die uns bislang verschlossen waren", sagt Ralf Koeppe, Forschungschef beim Augsburger Hersteller Kuka Roboter. In der Baustoff- oder der Gießereiindustrie könne „Titan" zum Beispiel sperrige Bauteile, meterdicke Glasscheiben oder schwere Gussteile heben und umsetzen.

Mit derartigen Kraftanstrengungen floriert derzeit eine Branche, die sich einem scheinbar eher glanzlosen Geschäft verschrieben hat: dem innerbetrieblichen Material- und Warenfluss, auch Fördertechnik genannt. Ingenieure subsumieren darunter eine breite Palette an Produkten und Dienstleistungen: Kräne, Förderbänder, Hebefahrzeuge und fahrerlose Transporter, aber auch hochkomplexe Computerprogramme, Lagersysteme, Verpackungstechnik, Know-how und Robotiklösungen.

Doch aus dem einst biederen Gewerbe hat sich in den vergangenen Jahren eine der zahlreichen kleinen Vorzeigebranchen Deutschlands entwickelt, deren Geschäft nur so boomt. Rund 800 Unternehmen hierzulande haben sich dem versteckten Glamour hinter den Werkstoren verschrieben. Die meisten von ihnen sind Mittelständler wie Viastore Systems in Stuttgart und Mlog im benachbarten Heilbronn, die schlüsselfertige automatische Lager- und Distributionszentren anbieten, aber auch Firmen wie Jungheinrich in Hamburg, die seit langem Gabelstapler bauen. In ihren Disziplinen sind viele Anbieter Weltmarktführer. Fast zwei Drittel der hiesigen Produktion geht ins Ausland. Der Branchenumsatz stieg seit 2004 um gut 25 Prozent und erreichte im Vorjahr mit 15,9 Milliarden Euro eine Rekordmarke.

„In kaum einem anderen Bereich sehen Unternehmen ein vergleichbares Sparpotenzial", sagt Professor Michael ten Hompel, Chef des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund. „Damit wir stärker auf die Radarschirme der Firmen kommen, haben wir einen längst überfälligen Imagewandel eingeleitet", sagt Christoph Hahn-Woernle. Der schwäbische Unternehmer ist Sprecher und Initiator des 2004 gegründeten Branchenforums „Intralogistik", das die bisherige Fördertechnik made in Germany besser vermarkten soll.

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