Spielzeug: Bratz gegen Barbie
Der Krieg der Puppen

Die Puppenhersteller Mattel und MGA liefern sich eine Schlammschlacht um die Macht im Kinderzimmer

LOS ANGELES. Paris Hilton lächelt lasziv-naiv und wiegt eine Bratz-Puppe im Arm. Hiltons knappes Top ähnelt dem der Plastikpuppe mit den großen Augen, die seit 2001 immer mehr Kinderzimmer in aller Welt erobert hat. Das Foto mit der Hollywood-Berühmtheit empfängt die Besucher in der Lobby des US-Spielzeugherstellers MGA in der kalifornischen Kleinstadt Van Nuys. Paris Hilton sieht aus wie Barbie ... ups, diesen Namen hört MGA-Gründer Isaac Larian gar nicht so gern. Denn die böse Barbie hat die nette Bratz verklagt – wegen Ideenklau. Morgen trifft man sich vor Gericht. In dem Prozess zwischen MGA Entertainment und Mattel, seit über 40 Jahren Hersteller von Barbie, geht es um die Herrschaft in den Kinderzimmern der Welt und über die Portemonnaies der Eltern.

Zur Geburt von Bratz kam es nämlich so: Der damals bei Mattel beschäftigte Puppendesigner Carter Bryant schuf Bratz und verkaufte sie an Larian. Strittig ist, ob Bryant die Idee zu Bratz während seiner Tätigkeit für Mattel hatte oder während einer freiwilligen Auszeit.

Der Frust bei Mattel, dem größten Puppenhersteller der Welt, ist verständlich. Für Isaac Larian wurde Bratz zum Goldkind. Der Selfmademan hat mehr als 150 Millionen Bratz-Puppen verkauft und Platz drei auf dem Weltmarkt erobert. Der Jahresumsatz soll über zwei Milliarden Dollar liegen. Als Familienunternehmen verrät MGA allerdings weder Umsatz noch Gewinn.

Bei Mattel hingegen ging es mit Barbie unterdessen bergab. Im vergangenen Quartal rutschte der Konzern gar in die roten Zahlen. Der Verlust lag im ersten Quartal bei 47 Millionen Dollar. Vor einem Jahr hatte der Gewinn noch zwölf Millionen Dollar betragen. Der Umsatz des US-Branchenprimus sank auf 577 Millionen Euro – minus zwei Prozent.

Isaac Larian hat nicht vor, sich unterkriegen zu lassen. „Die haben 50 Anwälte, und wir haben 50 Anwälte. Das wird ein langer Kampf“, sagt er, während das Dröhnen der Flugzeugmotoren vom nahen Privatflughafen Van Nuys die Stille in seinem Büro unterbricht. Larian springt immer wieder auf – E-Mails lesen, telefonieren, immer wegen Mattel. „Haben Sie sich schon die neue Datei vom Gericht angesehen?“ fragt er einen seiner Anwälte am Telefon.

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