Sportmesse Ispo: Adidas wird zum Ladenhüter

Sportmesse Ispo
Adidas wird zum Ladenhüter

Die Marke mit den drei Streifen verkauft sich in Deutschland immer schlechter. Die Franken müssen sogar Ware aus den Fachgeschäften zurücknehmen, weil die Regale überquellen. Der größte Konkurrent legt dagegen zu.
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MünchenEs schien in Stein gemeißelt: Keiner verkauft so viele Turnschuhe, Kickstiefel und Fitness-Shirts in Deutschland wie der Sportkonzern Adidas. „Doch der Thron wackelt gehörig“, sagte Andreas Rudolf, Chef der Sporthändlervereinigung Sport 2000 am Sonntag zum Auftakt der Fachmesse Ispo in München. So schlecht hätte sich die Ware mit den drei Streifen zuletzt verkauft, dass die Franken nun Überbestände zurücknehmen würden.

Weltmarktführer Nike hingegen hole auf dem Heimatmarkt von Adidas immer stärker auf. Mehr noch, die Amerikaner seien vor allem auf dem Fußballmarkt extrem erfolgreich. Fußball war über Jahrzehnte hinweg weltweit die Domäne von Adidas. „Zehn Monate in Folge hat Nike bei Sport 2000 mehr Fußballschuhe als Adidas verkauft“, unterstrich Manager Rudolf.

Deutschlands führende Händlervereinigung Intersport bestätigt den Trend. Die Umsätze mit Nike seien um zwölf Prozent geklettert vergangenes Jahr. Adidas habe hingegen einstellig verloren, verlautete am Sonntag auf der Sportmesse Ispo.

Die Läden zwischen Nordsee und Alpen sind voller Ware von Adidas, die sich nach Einschätzung der Geschäftsinhaber großteils nicht mehr verkaufen lässt. Europas größter Sportkonzern hat daher den Fachhändlern hierzulande zugesagt, die Überbestände wieder zurückzunehmen. Das kommt bei den Ladenbesitzern gut an. „Eine äußerst bemerkenswerte Maßnahme“, meinte Sport-2000-Manager Rudolf. So bekommen die Händler das nötige Geld, um für die neue Saison einzukaufen - auch bei Adidas.

Adidas verliert im Fachhandel, ist aber nach wie vor die umsatzstärkste Sportmarke in Deutschland. Doch der Vorsprung schrumpft. „Nike verkürzt deutlich den Abstand“, betonte Intersport-Vorstand Klaus Jost. Weltweit liegt das Label mit dem „Swoosh“-Logo ohnehin weit vor Adidas. Abgeschlagen ist Puma, die Nummer zwei in Deutschland.

Für Adidas ist das schwache Geschäft hierzulande besonders ärgerlich. Einerseits, weil es fürs Image alles andere als positiv wäre, auf dem Heimatmarkt hinter den wichtigsten Wettbewerber zurück zu fallen. Andererseits, weil Vorstandschef Herbert Hainer den Investoren ein strammes Umsatz- und Gewinnplus versprochen hat. Das derzeit gültige Wachstumsprogramm läuft Ende kommenden Jahres aus. Dann muss Hainer seine Ziele erreicht haben, wenn er die Vorgaben nicht schon vorher kassiert oder anpasst. Das aber käme an der Börse vermutlich gar nicht gut an. Bislang hat Hainer stets betont, er halten an der sogenannten „Route 2015“ fest. 

Immerhin, es gibt Hoffnung. Im Sommer steht die Fußball-Weltmeisterschaft an. Als Ausrüster des deutschen Teams wird Adidas hierzulande garantiert hunderttausende Trikots verkaufen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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